Die Förderung des Transfers in die Praxis ist dem fmc ein wichtiges Anliegen. In einer Webinar-Reihe zusammen mit HSG-Professor Matthias Mitterlechner werden wir Ihnen ausgewählte Fachartikel und deren zentrale Erkenntnisse vorstellen und diese mit Praxis-Expert:innen und den Teilnehmenden fachlich und praxisbezogen reflektieren und diskutieren.
Im fmc-HSG Management Journal Club nähern wir uns der Umsetzung integrierter Versorgungsinitiativen aus verschiedenen Management-Perspektiven. Dazu zählen neben einem Verständnis der «Brennpunkte» der Umsetzung die Gestaltung von Versorgungsinitiativen als Strategiearbeit, als kommunikative Inszenierung, als evolutionäre Prozessoptimierung und als Führungsarbeit. Diese fünf Perspektiven ergänzen sich und bauen aufeinander auf.
Ziel
Die demographische Alterung und die Zunahme chronischer Erkrankungen erfordern eine noch stärkere Vernetzung zwischen den Akteuren im Schweizer Gesundheits- und Sozialwesen. Die steigende Relevanz einer integrierten, koordinierten Versorgung, verstanden als organisationsübergreifende Koordination patientenzentrierter Wertschöpfungsaktivitäten, ist heute breit akzeptiert. Gleichzeitig scheitern viele Initiativen trotz bester Absichten aller Beteiligten häufig an der Umsetzung. Der fmc-HSG Management Journal Club zielt darauf ab, die Arbeitsschritte und Erfolgsvoraussetzungen für die Umsetzung integrierter Versorgungsinitiativen zu diskutieren und reflektieren. Die Grundlage bilden neue wissenschaftliche Erkenntnisse in relevanten Management-Zeitschriften.
Zielgruppe
Der fmc-HSG Management Journal Club richtet sich an alle Akteure, die heute oder in Zukunft integrierte Versorgungsinitiativen planen, vorantreiben, entwickeln oder reflektieren möchten. Der Journal Club ist offen für alle Berufsgruppen und Hierarchiestufen im Schweizer Gesundheits- und Sozialwesen.
Sprache
Die Webinare finden auf Deutsch statt. Eine Verdolmetschung ist nicht vorgesehen.
Matthias Mitterlechner ist Geschäftsführer des Center for Health Care an der Universität St. Gallen.
Dort verantwortet er ein Forschungsprogramm zum Thema Integrierte Versorgung und mehrere CAS-Programme zum Systemischen Management im Gesundheitswesen.
Er ist zudem als Professor für Service Performance Management am Institut für Accounting, Controlling und Auditing (ACA-HSG) tätig.
2024 haben wir einen ersten fmc-HSG Management Journal Club durchgeführt. Dieser gilt als Grundlage für diese zweite Ausgabe. Sämtliche Aufzeichnungen und Präsentationen dazu finden Sie hier.
Die hier aufgeführte 2. Durchführung vertieft und ergänzt einzelne Aspekte und Themen.
26. November 2025, 12h00 bis 13h00
Die Gestaltung einer integrierten Versorgung als Strategiearbeit
Die Teilnehmenden reflektieren die Frage, wie in einer integrierten Versorgungsinitiative eine kohärente strategische Ausrichtung des Netzwerks bzw. des Versorgungssystems entsteht. Wichtige Praktiken sind der konstruktive Umgang mit Konflikten, die Herstellung von Verbindlichkeit und die gemeinsame Festlegung von Zielen. Voraussetzung dafür ist ein stärker inklusiver als exklusiver Modus der Strategiearbeit.
Reflexionspartner: Karoline Leukert, Ressortleiterin integrierte und Spezialverträge bei der CSS Versicherung
Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).
Text: Schmidt et al., Strategizing in an Inter-organizational Setting—The Case of a German Healthcare Partnership. Schmalbach Journal of Business Research, 2025.
Kurzzusammenfassung des Webinars
Am 26. November 2025 startete die zweite Staffel des fmc HSG Management Journal Clubs. Das erste Modul widmete sich dem Thema „Gestaltung einer integrierten Versorgung als Strategiearbeit“. Ziel war es, zu verstehen, wie in komplexen Versorgungsnetzwerken eine gemeinsame strategische Ausrichtung entstehen kann – und welche Rolle dabei inklusive oder exklusive Formen der Zusammenarbeit spielen.
Annamaria Müller, Präsidentin des fmc, eröffnete das Webinar und betonte die Bedeutung des Journal Clubs, der wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis überführt.
Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (Universität St. Gallen) präsentierte zentrale Ergebnisse einer Fallstudie zu einer deutschen Gesundheitspartnerschaft. Die Studie zeigt: Strategische Zusammenarbeit gelingt dann, wenn Vertrauen, Verbindlichkeit und Transparenz geschaffen werden.
Eine inklusive Strategiearbeit – geprägt durch offene Kommunikation, gemeinsame Entscheidungsfindung und geteilte Verantwortung – fördert Kooperation und Zielklarheit. Dagegen führen exklusive Prozesse, in denen wenige Akteure im kleinen Kreis entscheiden, häufig zu Misstrauen, Intransparenz und strategischer Unordnung.
Im Praxisteil zeigte Dr. Karolin Leukert (CSS Versicherung), wie die CSS ihr Rollenverständnis von einer klassischen Produktentwicklerin zu einer Mitgestalterin integrierter Versorgung weiterentwickelt hat. Heute verfolgt die CSS einen konsequenten Bottom-up-Ansatz, der regionale Initiativen stärkt, partnerschaftlich mit Leistungserbringern Lösungen entwickelt und flexible Versicherungsmodelle ermöglicht.
Als Erfolgsfaktoren identifizierte sie:
- Verbindlichkeit und Engagement der Akteure
- Datenaustausch und gemeinsames Monitoring
- Mut zu neuen Finanzierungsmodellen und ergebnisoffenen Pilotprojekten
Die anschliessende Diskussion verdeutlichte: Integrierte Versorgung scheitert selten an fehlender Fachkompetenz, sondern an Kommunikationsdefiziten, unklaren Zielen und mangelndem Vertrauen. Exklusive Startphasen können sinnvoll sein, müssen sich jedoch langfristig zu inklusiven, transparenten und kooperativen Prozessen entwickeln, damit gemeinsame Ziele entstehen und nachhaltige Koordination gelingt.
Zusammenfassung des Webinars
Aufnahme des Webinars
17. Dezember 2025, 12h00 bis 13h00
Die Gestaltung einer integrierten Versorgung als «Learning Journey»
Die Teilnehmenden reflektieren die Erfolgsvoraussetzungen einer intersektoralen Zusammenarbeit. Gemäss Artikel hängt die erfolgreiche Gestaltung einer integrierten Versorgung davon ab, inwieweit die Akteure aus regelmässigen Rückschlägen lernen. Die Teilnehmenden tauschen hilfreiche Praktiken eines lernorientierten Umgangs mit Rückschlägen aus.
Praxisexperte: Peter Bodziak, Projektleiter Gesundheitsnetzwerk Oberaargau
Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).
Text: Gomez et al., Cross-sector collaboration in cities: learning journey or blame game? Journal of Public Administration Research and Theory, 2025.
Kurzzusammenfassung des Webinars
Am 17. Dezember 2025 fand das zweite Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Clubs statt. Das Modul widmete sich der Frage, wie integrierte Versorgungsinitiativen mit unvermeidlichen Rückschlägen umgehen und wie aus solchen Situationen gemeinsames Lernen statt Schuldzuweisungen entstehen kann. Grundlage bildete der wissenschaftliche Artikel „Cross-sector collaboration in cities: learning journey or blame game?“ von Gomez et al.
Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (HSG) stellte die zentralen Ergebnisse der Studie vor. Diese zeigt, dass der Erfolg intersektoraler Kooperationen weniger von Kontext oder Governance-Modell abhängt, sondern entscheidend davon, wie Akteure auf Rückschläge reagieren. Ein lernorientierter Umgang führt zu Vertrauen, höherer Verbindlichkeit und gemeinsamer Handlungsfähigkeit („Learning Loop“), während Schuldzuweisungen Vertrauen zerstören und Kooperationen blockieren („Blaming Loop“).
Der Artikel identifiziert fünf Praktiken, die einen lernorientierten Umgang mit Rückschlägen begünstigen:
- Aufbau auf bestehenden Beziehungen,
- Einbindung vertrauenswürdiger Schlüsselpersonen,
- aktive Beteiligung der betroffenen Gemeinschaft,
- datenbasierte Entscheidungsfindung sowie
- regelmässige Austausch- und Reflexionsformate.
Zudem betont er die Bedeutung anpassungsfähiger Führungsstrukturen, die sich im Verlauf einer Initiative weiterentwickeln.
Peter Bodziak (Gesundheitsnetzwerk Oberaargau) reflektierte diese Erkenntnisse anhand der Praxis. Das junge Netzwerk musste früh einen kritischen Rückschlag bei der Integration der Hausärzte bewältigen. Durch einen breit angelegten Workshop, gezielte Kommunikation und gemeinsame Klärung des Ansatzes gelang es, Vertrauen aufzubauen und die Hausärzte aktiv einzubinden. Die Einführung einer Vereinsstruktur schafft heute Verbindlichkeit bei gleichzeitiger Niederschwelligkeit.
In der Diskussion wurde deutlich: Integrierte Versorgung ist keine lineare Umsetzung, sondern eine Learning Journey, die Offenheit, Vertrauen, Reflexion und kontinuierliche Anpassung erfordert. Rückschläge sind dabei kein Zeichen des Scheiterns, sondern Ausgangspunkt für gemeinsame Weiterentwicklung.
Zusammenfassung des Webinars
Aufnahme des Webinars
4. Februar 2026, 12h00 bis 13h00
Das Management von Professionsgrenzen in der integrierten Versorgung
Die Teilnehmenden reflektieren Mikro-Strategien der Handhabung und Verschiebung von Professionsgrenzen. Diskussion der Wirkungen auf eine gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit am Beispiel Hausärzte und Pflegeheime.
Praxisexperte: Daniel Schibler, CEO Concara
Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).
Text: Weber et al., Boundary Work in Response to Professionals’ Contextual Constraints: Micro-strategies
in Interprofessional Collaboration. Organization Studies, 2022.
Kurzzusammenfassung des Webinars
Am 4. Februar 2026 fand das dritte Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Club statt. Im Fokus stand das Management von Professionsgrenzen in der integrierten Versorgung und damit eine zentrale Fragestellung integrierter Versorgungsmodelle: Wie werden Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten (AKV) zwischen verschiedenen Berufsgruppen konkret ausgehandelt und gestaltet? Grundlage bildete der wissenschaftliche Artikel Boundary Work in Response to Professionals’ Contextual Constraints von Weber et al.
Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (HSG) zeigte anhand der Ergebnisse aus der Forschungsarbeit, dass interprofessionelle Zusammenarbeit in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Kontextbedingungen stattfindet, etwa Zeitdruck, ökonomischen Anreizen oder rechtlichen Vorgaben. Diese Rahmenbedingungen führen zu teils divergierenden Interessen der beteiligten Professionen. Am Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Hausärztinnen und Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege wurde deutlich, dass Hausärzte u.a. ein Effizienzinteresse verfolgen, während Pflegefachpersonen auf Sicherheit und rechtliche Absicherung fokussiert sind. In unklaren Patientensituationen werden diese Interessen durch sogenannte „Boundary-Work“-Strategien verhandelt, die entweder auf das Verteidigen oder auf das Integrieren der jeweiligen Interessen abzielen
Der Praxisbezug wurde im anschliessenden Expertentalk durch Daniel Schibler, CEO der Concara Holding AG, vertieft. Er bestätigte die Relevanz klarer Regelungen, standardisierter Prozesse und verlässlicher Kommunikationsstrukturen für eine funktionierende interprofessionelle Zusammenarbeit. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von Vertrauen, kontinuierlicher Beziehungspflege und pragmatischen Lösungen, insbesondere in komplexen Versorgungssettings mit unterschiedlichen ärztlichen Kooperationsformen .
Das Webinar verdeutlichte, dass fehlende oder unklare Regelungen an Professionsgrenzen das Risiko von Reibungsverlusten, Eskalationen sowie Über- oder Unterversorgung erhöhen können. Eine «sichere Stabilisierung» der Zusammenarbeit wird weder durch reine Formalisierung noch durch ausschliesslich informelle Absprachen erreicht. Vielmehr braucht es ein bewusstes Zusammenspiel von strukturellen Instrumenten (z. B. SOPs, feste Kontaktfenster, Dokumentationshilfen) und aktiver Vertrauensarbeit als zentrale Voraussetzung für eine gelingende integrierte Versorgung.
Zusammenfassung des Webinars
Aufnahme des Webinars
5. März 2026, 12h00 bis 13h00
Herausforderungen und Möglichkeiten der zeitlichen Orchestrierung von integrierten Versorgungsinitiativen
Die Teilnehmenden verstehen, wie die Akteure in integrierten Versorgungsinitiativen oft von unterschiedlichen Zeithorizonten ausgehen, deren Zusammenspiel den Verlauf der Initiative unbewusst beeinflussen und beeinträchtigen kann. In diesem Zusammenhang reflektieren die Teilnehmenden auch die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Beratern und Beratungsunternehmen in ihren Initiativen.
Praxisexperte: Ursula Rüegsegger, CEO SanaCare
Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).
Texte:
- John P. Kotter: How the most innovative companies capitalize on today’s rapid-fire strategic challenges – and still make their numbers. Harvard Busniess Review, Nov. 2012
- Eivor Oborn, Michael Barrett: Marching to different drum beats: a temporal perspective on coordinating occupational work. Organisation Sicence, Vol. 32, No. 2, Marc-April 2021
Kurzzusammenfassung des Webinars
Am 5. März 2026 fand das vierte Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Club statt. Im Zentrum stand die Frage, wie integrierte Versorgungsinitiativen zeitlich koordiniert und in Organisationen mit unterschiedlichen Berufsgruppen erfolgreich umgesetzt werden können. Als wissenschaftliche Grundlage dienten zwei Artikel: John P. Kotters Beitrag zur Beschleunigung strategischer Veränderungen in Organisationen sowie der organisationswissenschaftliche Artikel von Eivor Oborn und Michael Barrett zur zeitlichen Koordination interprofessioneller Zusammenarbeit.
Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (HSG) zeigte zunächst auf, dass Gesundheitsorganisationen häufig vor der Herausforderung stehen, strategische Initiativen – etwa Digitalisierung, Chronic Care Management oder integrierte Versorgung – umzusetzen und dies innerhalb eines ambitionierten zeitlichen Erwartungsrahmens. Klassische hierarchische Strukturen sind dabei häufig auf Stabilität und Routine ausgelegt und reagieren entsprechend zurückhaltend auf Veränderungen. Kotter schlägt daher ein sogenanntes «duales Betriebssystem» vor, bei dem die bestehende Hierarchie durch ein flexibles Netzwerk aus freiwillig engagierten Mitarbeitenden ergänzt wird. Dieses Netzwerk kann strategische Initiativen vorantreiben und Veränderungen beschleunigen, während die Hierarchie weiterhin den operativen Betrieb sicherstellt.
Anschliessend widmete sich der Input der Frage, wie unterschiedliche zeitliche Orientierungen verschiedener Berufsgruppen die Zusammenarbeit beeinflussen. Die Studie von Oborn und Barrett zeigt, dass Professionen im Gesundheitswesen häufig in unterschiedlichen «Takten» arbeiten – etwa schnell und entscheidungsorientiert oder eher abwägend und analytisch. Treffen diese unterschiedlichen Zeitlogiken aufeinander, können wiederkehrende kleine Spannungen entstehen, die langfristig zu einer «Frakturierung» der interprofessionellen Zusammenarbeit führen und die Koordination erschweren.
Ein möglicher Lösungsansatz ist das Konzept des «Temporal Resourcing». Dabei werden unterschiedliche zeitliche Orientierungen nicht als Problem verstanden, sondern gezielt als Ressource genutzt. Durch flexible Rollenverteilung und neue Arbeitspraktiken können verschiedene «Takte» parallel genutzt werden, was sowohl die Zusammenarbeit als auch die Patientenversorgung verbessern kann.
Im anschliessenden Expertentalk reflektierte Ursula Rüegsegger, CEO der Sanacare, diese Erkenntnisse aus praktischer Perspektive. Sie zeigte auf, wie Sanacare durch eine Kombination aus hierarchischer Organisation, freiwilligen Fachgremien, digital unterstützten Workflows und interprofessionellen Teams sowohl Innovation als auch eine koordinierte Patientenversorgung ermöglicht. Das Webinar machte damit deutlich, dass eine erfolgreiche zeitliche Orchestrierung integrierter Versorgung sowohl strukturelle Organisationsformen als auch ein bewusstes Management unterschiedlicher Zeitlogiken zwischen Professionen erfordert.
Zusammenfassung des Webinars
Aufnahme des Webinars
25. März 2026, 12h00 bis 13h00
Die Sicherstellung von Legitimität in Entscheidungsprozessen in der integrierten Versorgung
Teilnehmende können das Vertrauen in kooperative Steuerungsprozesse verlieren, wenn sie die internen Entscheidungsprozesse nicht als legitim wahrnehmen. Die Teilnehmenden reflektieren Praktiken der Sicherstellung von Legitimität in der Steuerung von Versorgungsnetzwerken.
Praxisexperte: Andreas Helg, Fachärztlicher Berater Managed Care, Mitglied der Geschäftsleitung Argomed
Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).
Text: Mosley et al., Decision-Making in Collaborative Governance Networks: Pathways to Input and Throughput Legitimacy. Journal of Public Administration Research and Theory, 2021.
Kurzzusammenfassung des Webinars
Am 25. März 2026 fand das fünfte Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Club statt. Im Zentrum stand die Frage, wie Legitimität in Entscheidungsprozessen integrierter Versorgungsinitiativen sichergestellt werden kann.
Ausgangspunkt bildete der Artikel von Mosley und Wong (2021), der zwischen Beteiligungslegitimität („input legitimacy“) und Prozesslegitimität („throughput legitimacy“) unterscheidet. Während erstere den Zugang und die Mitsprache der Akteure beschreibt, fokussiert letztere auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Qualität der Entscheidungsprozesse.
Die von Matthias Mitterlechner präsentierten Studienergebnisse zeigen, dass Beteiligungslegitimität in Netzwerken häufiger erreicht wird als Prozesslegitimität. Gleichzeitig wird deutlich, dass beide Dimensionen zwar zusammenhängen, aber nicht automatisch gemeinsam auftreten. Besonders kritisch ist die Konstellation, in der Mitglieder zwar ihre Meinung einbringen können, jedoch nicht nachvollziehen können, wie Entscheidungen zustande kommen – ein Zustand, der langfristig zu Vertrauensverlust und sinkendem Engagement führt.
Als zentrale Einflussfaktoren für hohe Legitimität wurden persönlicher Austausch, Netzwerkgrösse, transparente Kommunikation bei Veränderungen sowie die Rolle der Netzwerkkoordination identifiziert. Insbesondere physische Treffen und aktive Arbeitsgruppen fördern Vertrauen und Prozessverständnis, während rein digitale Formate dies nur bedingt leisten können. Zudem zeigt sich, dass partizipative Führungsrollen (Facilitator oder Co-Produzent) die Legitimität stärken, während top-down geprägte Steuerung diese eher untergräbt.
Die praxisbezogene Reflexion aus Ärztenetzwerken durch Andreas Helg verdeutlichte, dass diese Erkenntnisse grundsätzlich übertragbar sind, jedoch durch strukturelle Rahmenbedingungen wie vertragliche Vorgaben, Netzwerkgrösse und begrenzte zeitliche Ressourcen beeinflusst werden. Ein zentrales Spannungsfeld besteht zwischen dem Anspruch auf Mitbestimmung und der tatsächlichen Bereitschaft zur aktiven Beteiligung.
Insgesamt unterstreicht das Webinar, dass die Sicherstellung von Legitimität eine zentrale Voraussetzung für das Funktionieren integrierter Versorgungsnetzwerke ist. Sie erfordert bewusst gestaltete Beteiligungsprozesse, transparente Entscheidungsstrukturen sowie eine Führungskultur, die auf Einbindung und Vertrauen ausgerichtet ist.