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Webinarreihe: fmc HSG Management Journal Club

Am 08.01.2026

Die Förderung des Transfers in die Praxis ist dem fmc ein wichtiges Anliegen. In einer Webinar-Reihe zusammen mit HSG-Professor Matthias Mitterlechner werden wir Ihnen ausgewählte Fachartikel und deren zentrale Erkenntnisse vorstellen und diese mit Praxis-Expert:innen und den Teilnehmenden fachlich und praxisbezogen reflektieren und diskutieren.

Im fmc-HSG Management Journal Club nähern wir uns der Umsetzung integrierter Versorgungsinitiativen aus verschiedenen Management-Perspektiven. Dazu zählen neben einem Verständnis der «Brennpunkte» der Umsetzung die Gestaltung von Versorgungsinitiativen als Strategiearbeit, als kommunikative Inszenierung, als evolutionäre Prozessoptimierung und als Führungsarbeit. Diese fünf Perspektiven ergänzen sich und bauen aufeinander auf.

Ziel

Die demographische Alterung und die Zunahme chronischer Erkrankungen erfordern eine noch stärkere Vernetzung zwischen den Akteuren im Schweizer Gesundheits- und Sozialwesen. Die steigende Relevanz einer integrierten, koordinierten Versorgung, verstanden als organisationsübergreifende Koordination patientenzentrierter Wertschöpfungsaktivitäten, ist heute breit akzeptiert. Gleichzeitig scheitern viele Initiativen trotz bester Absichten aller Beteiligten häufig an der Umsetzung. Der fmc-HSG Management Journal Club zielt darauf ab, die Arbeitsschritte und Erfolgsvoraussetzungen für die Umsetzung integrierter Versorgungsinitiativen zu diskutieren und reflektieren. Die Grundlage bilden neue wissenschaftliche Erkenntnisse in relevanten Management-Zeitschriften.

Zielgruppe

Der fmc-HSG Management Journal Club richtet sich an alle Akteure, die heute oder in Zukunft integrierte Versorgungsinitiativen planen, vorantreiben, entwickeln oder reflektieren möchten. Der Journal Club ist offen für alle Berufsgruppen und Hierarchiestufen im Schweizer Gesundheits- und Sozialwesen. 

Sprache

Die Webinare finden auf Deutsch statt. Eine Verdolmetschung ist nicht vorgesehen.

Matthias Mitterlechner ist Geschäftsführer des Center for Health Care an der Universität St. Gallen.

Dort verantwortet er ein Forschungsprogramm zum Thema Integrierte Versorgung und mehrere CAS-Programme zum Systemischen Management im Gesundheitswesen.

Er ist zudem als Professor für Service Performance Management am Institut für Accounting, Controlling und Auditing (ACA-HSG) tätig.

2024 haben wir einen ersten fmc-HSG Management Journal Club durchgeführt. Dieser gilt als Grundlage für diese zweite Ausgabe. Sämtliche Aufzeichnungen und Präsentationen dazu finden Sie hier.
Die hier aufgeführte 2. Durchführung vertieft und ergänzt einzelne Aspekte und Themen.

26. November 2025, 12h00 bis 13h00

Die Gestaltung einer integrierten Versorgung als Strategiearbeit

Die Teilnehmenden reflektieren die Frage, wie in einer integrierten Versorgungsinitiative eine kohärente strategische Ausrichtung des Netzwerks bzw. des Versorgungssystems entsteht. Wichtige Praktiken sind der konstruktive Umgang mit Konflikten, die Herstellung von Verbindlichkeit und die gemeinsame Festlegung von Zielen. Voraussetzung dafür ist ein stärker inklusiver als exklusiver Modus der Strategiearbeit.

Reflexionspartner: Karoline Leukert, Ressortleiterin integrierte und Spezialverträge bei der CSS Versicherung

Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).

Text: Schmidt et al., Strategizing in an Inter-organizational Setting—The Case of a German Healthcare Partnership. Schmalbach Journal of Business Research, 2025.

Kurzzusammenfassung des Webinars

Am 26. November 2025 startete die zweite Staffel des fmc HSG Management Journal Clubs. Das erste Modul widmete sich dem Thema „Gestaltung einer integrierten Versorgung als Strategiearbeit“. Ziel war es, zu verstehen, wie in komplexen Versorgungsnetzwerken eine gemeinsame strategische Ausrichtung entstehen kann – und welche Rolle dabei inklusive oder exklusive Formen der Zusammenarbeit spielen.

Annamaria Müller, Präsidentin des fmc, eröffnete das Webinar und betonte die Bedeutung des Journal Clubs, der wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis überführt. 

Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (Universität St. Gallen) präsentierte zentrale Ergebnisse einer Fallstudie zu einer deutschen Gesundheitspartnerschaft. Die Studie zeigt: Strategische Zusammenarbeit gelingt dann, wenn Vertrauen, Verbindlichkeit und Transparenz geschaffen werden.

Eine inklusive Strategiearbeit – geprägt durch offene Kommunikation, gemeinsame Entscheidungsfindung und geteilte Verantwortung – fördert Kooperation und Zielklarheit. Dagegen führen exklusive Prozesse, in denen wenige Akteure im kleinen Kreis entscheiden, häufig zu Misstrauen, Intransparenz und strategischer Unordnung.

Im Praxisteil zeigte Dr. Karolin Leukert (CSS Versicherung), wie die CSS ihr Rollenverständnis von einer klassischen Produktentwicklerin zu einer Mitgestalterin integrierter Versorgung weiterentwickelt hat. Heute verfolgt die CSS einen konsequenten Bottom-up-Ansatz, der regionale Initiativen stärkt, partnerschaftlich mit Leistungserbringern Lösungen entwickelt und flexible Versicherungsmodelle ermöglicht.

Als Erfolgsfaktoren identifizierte sie:

  • Verbindlichkeit und Engagement der Akteure
  • Datenaustausch und gemeinsames Monitoring
  • Mut zu neuen Finanzierungsmodellen und ergebnisoffenen Pilotprojekten

Die anschliessende Diskussion verdeutlichte: Integrierte Versorgung scheitert selten an fehlender Fachkompetenz, sondern an Kommunikationsdefiziten, unklaren Zielen und mangelndem Vertrauen. Exklusive Startphasen können sinnvoll sein, müssen sich jedoch langfristig zu inklusiven, transparenten und kooperativen Prozessen entwickeln, damit gemeinsame Ziele entstehen und nachhaltige Koordination gelingt.

Zusammenfassung des Webinars

Aufnahme des Webinars

17. Dezember 2025, 12h00 bis 13h00

Die Gestaltung einer integrierten Versorgung als «Learning Journey»

Die Teilnehmenden reflektieren die Erfolgsvoraussetzungen einer intersektoralen Zusammenarbeit. Gemäss Artikel hängt die erfolgreiche Gestaltung einer integrierten Versorgung davon ab, inwieweit die Akteure aus regelmässigen Rückschlägen lernen. Die Teilnehmenden tauschen hilfreiche Praktiken eines lernorientierten Umgangs mit Rückschlägen aus.

Praxisexperte: Peter Bodziak, Projektleiter Gesundheitsnetzwerk Oberaargau

Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).

Text: Gomez et al., Cross-sector collaboration in cities: learning journey or blame game? Journal of Public Administration Research and Theory, 2025.

Kurzzusammenfassung des Webinars

Am 17. Dezember 2025 fand das zweite Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Clubs statt. Das Modul widmete sich der Frage, wie integrierte Versorgungsinitiativen mit unvermeidlichen Rückschlägen umgehen und wie aus solchen Situationen gemeinsames Lernen statt Schuldzuweisungen entstehen kann. Grundlage bildete der wissenschaftliche Artikel „Cross-sector collaboration in cities: learning journey or blame game?“ von Gomez et al.

Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (HSG) stellte die zentralen Ergebnisse der Studie vor. Diese zeigt, dass der Erfolg intersektoraler Kooperationen weniger von Kontext oder Governance-Modell abhängt, sondern entscheidend davon, wie Akteure auf Rückschläge reagieren. Ein lernorientierter Umgang führt zu Vertrauen, höherer Verbindlichkeit und gemeinsamer Handlungsfähigkeit („Learning Loop“), während Schuldzuweisungen Vertrauen zerstören und Kooperationen blockieren („Blaming Loop“).

Der Artikel identifiziert fünf Praktiken, die einen lernorientierten Umgang mit Rückschlägen begünstigen:

  • Aufbau auf bestehenden Beziehungen,
  • Einbindung vertrauenswürdiger Schlüsselpersonen,
  • aktive Beteiligung der betroffenen Gemeinschaft,
  • datenbasierte Entscheidungsfindung sowie
  • regelmässige Austausch- und Reflexionsformate.

Zudem betont er die Bedeutung anpassungsfähiger Führungsstrukturen, die sich im Verlauf einer Initiative weiterentwickeln.

Peter Bodziak (Gesundheitsnetzwerk Oberaargau) reflektierte diese Erkenntnisse anhand der Praxis. Das junge Netzwerk musste früh einen kritischen Rückschlag bei der Integration der Hausärzte bewältigen. Durch einen breit angelegten Workshop, gezielte Kommunikation und gemeinsame Klärung des Ansatzes gelang es, Vertrauen aufzubauen und die Hausärzte aktiv einzubinden. Die Einführung einer Vereinsstruktur schafft heute Verbindlichkeit bei gleichzeitiger Niederschwelligkeit.

In der Diskussion wurde deutlich: Integrierte Versorgung ist keine lineare Umsetzung, sondern eine Learning Journey, die Offenheit, Vertrauen, Reflexion und kontinuierliche Anpassung erfordert. Rückschläge sind dabei kein Zeichen des Scheiterns, sondern Ausgangspunkt für gemeinsame Weiterentwicklung.

Zusammenfassung des Webinars

Aufnahme des Webinars

4. Februar 2026, 12h00 bis 13h00

Das Management von Professionsgrenzen in der integrierten Versorgung

Die Teilnehmenden reflektieren Mikro-Strategien der Handhabung und Verschiebung von Professionsgrenzen. Diskussion der Wirkungen auf eine gelingende interprofessionelle Zusammenarbeit am Beispiel Hausärzte und Pflegeheime.

Praxisexperte: Daniel Schibler, CEO Concara

Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).

Text: Weber et al., Boundary Work in Response to Professionals’ Contextual Constraints: Micro-strategies
in Interprofessional Collaboration. Organization Studies, 2022.

Kurzzusammenfassung des Webinars

Am 4. Februar 2026 fand das dritte Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Club statt. Im Fokus stand das Management von Professionsgrenzen in der integrierten Versorgung und damit eine zentrale Fragestellung integrierter Versorgungsmodelle: Wie werden Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten (AKV) zwischen verschiedenen Berufsgruppen konkret ausgehandelt und gestaltet? Grundlage bildete der wissenschaftliche Artikel Boundary Work in Response to Professionals’ Contextual Constraints von Weber et al.

Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (HSG) zeigte anhand der Ergebnisse aus der Forschungsarbeit, dass interprofessionelle Zusammenarbeit in einem Spannungsfeld unterschiedlicher Kontextbedingungen stattfindet, etwa Zeitdruck, ökonomischen Anreizen oder rechtlichen Vorgaben. Diese Rahmenbedingungen führen zu teils divergierenden Interessen der beteiligten Professionen. Am Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Hausärztinnen und Pflegefachpersonen in der Langzeitpflege wurde deutlich, dass Hausärzte u.a. ein Effizienzinteresse verfolgen, während Pflegefachpersonen auf Sicherheit und rechtliche Absicherung fokussiert sind. In unklaren Patientensituationen werden diese Interessen durch sogenannte „Boundary-Work“-Strategien verhandelt, die entweder auf das Verteidigen oder auf das Integrieren der jeweiligen Interessen abzielen

Der Praxisbezug wurde im anschliessenden Expertentalk durch Daniel Schibler, CEO der Concara Holding AG, vertieft. Er bestätigte die Relevanz klarer Regelungen, standardisierter Prozesse und verlässlicher Kommunikationsstrukturen für eine funktionierende interprofessionelle Zusammenarbeit. Gleichzeitig betonte er die Bedeutung von Vertrauen, kontinuierlicher Beziehungspflege und pragmatischen Lösungen, insbesondere in komplexen Versorgungssettings mit unterschiedlichen ärztlichen Kooperationsformen .

Das Webinar verdeutlichte, dass fehlende oder unklare Regelungen an Professionsgrenzen das Risiko von Reibungsverlusten, Eskalationen sowie Über- oder Unterversorgung erhöhen können. Eine «sichere Stabilisierung» der Zusammenarbeit wird weder durch reine Formalisierung noch durch ausschliesslich informelle Absprachen erreicht. Vielmehr braucht es ein bewusstes Zusammenspiel von strukturellen Instrumenten (z. B. SOPs, feste Kontaktfenster, Dokumentationshilfen) und aktiver Vertrauensarbeit als zentrale Voraussetzung für eine gelingende integrierte Versorgung.

Zusammenfassung des Webinars

Aufnahme des Webinars

5. März 2026, 12h00 bis 13h00

Herausforderungen und Möglichkeiten der zeitlichen Orchestrierung von integrierten Versorgungsinitiativen

Die Teilnehmenden verstehen, wie die Akteure in integrierten Versorgungsinitiativen oft von unterschiedlichen Zeithorizonten ausgehen, deren Zusammenspiel den Verlauf der Initiative unbewusst beeinflussen und beeinträchtigen kann. In diesem Zusammenhang reflektieren die Teilnehmenden auch die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Beratern und Beratungsunternehmen in ihren Initiativen.

Praxisexperte: Ursula Rüegsegger, CEO SanaCare

Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).

Texte:

  • John P. Kotter: How the most innovative companies capitalize on today’s rapid-fire strategic challenges – and still make their numbers. Harvard Busniess Review, Nov. 2012
  • Eivor Oborn, Michael Barrett: Marching to different drum beats: a temporal perspective on coordinating occupational work. Organisation Sicence, Vol. 32, No. 2, Marc-April 2021

Kurzzusammenfassung des Webinars

Am 5. März 2026 fand das vierte Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Club statt. Im Zentrum stand die Frage, wie integrierte Versorgungsinitiativen zeitlich koordiniert und in Organisationen mit unterschiedlichen Berufsgruppen erfolgreich umgesetzt werden können. Als wissenschaftliche Grundlage dienten zwei Artikel: John P. Kotters Beitrag zur Beschleunigung strategischer Veränderungen in Organisationen sowie der organisationswissenschaftliche Artikel von Eivor Oborn und Michael Barrett zur zeitlichen Koordination interprofessioneller Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Matthias Mitterlechner (HSG) zeigte zunächst auf, dass Gesundheitsorganisationen häufig vor der Herausforderung stehen, strategische Initiativen – etwa Digitalisierung, Chronic Care Management oder integrierte Versorgung – umzusetzen und dies innerhalb eines ambitionierten zeitlichen Erwartungsrahmens. Klassische hierarchische Strukturen sind dabei häufig auf Stabilität und Routine ausgelegt und reagieren entsprechend zurückhaltend auf Veränderungen. Kotter schlägt daher ein sogenanntes «duales Betriebssystem» vor, bei dem die bestehende Hierarchie durch ein flexibles Netzwerk aus freiwillig engagierten Mitarbeitenden ergänzt wird. Dieses Netzwerk kann strategische Initiativen vorantreiben und Veränderungen beschleunigen, während die Hierarchie weiterhin den operativen Betrieb sicherstellt.

Anschliessend widmete sich der Input der Frage, wie unterschiedliche zeitliche Orientierungen verschiedener Berufsgruppen die Zusammenarbeit beeinflussen. Die Studie von Oborn und Barrett zeigt, dass Professionen im Gesundheitswesen häufig in unterschiedlichen «Takten» arbeiten – etwa schnell und entscheidungsorientiert oder eher abwägend und analytisch. Treffen diese unterschiedlichen Zeitlogiken aufeinander, können wiederkehrende kleine Spannungen entstehen, die langfristig zu einer «Frakturierung» der interprofessionellen Zusammenarbeit führen und die Koordination erschweren.

Ein möglicher Lösungsansatz ist das Konzept des «Temporal Resourcing». Dabei werden unterschiedliche zeitliche Orientierungen nicht als Problem verstanden, sondern gezielt als Ressource genutzt. Durch flexible Rollenverteilung und neue Arbeitspraktiken können verschiedene «Takte» parallel genutzt werden, was sowohl die Zusammenarbeit als auch die Patientenversorgung verbessern kann.

Im anschliessenden Expertentalk reflektierte Ursula Rüegsegger, CEO der Sanacare, diese Erkenntnisse aus praktischer Perspektive. Sie zeigte auf, wie Sanacare durch eine Kombination aus hierarchischer Organisation, freiwilligen Fachgremien, digital unterstützten Workflows und interprofessionellen Teams sowohl Innovation als auch eine koordinierte Patientenversorgung ermöglicht. Das Webinar machte damit deutlich, dass eine erfolgreiche zeitliche Orchestrierung integrierter Versorgung sowohl strukturelle Organisationsformen als auch ein bewusstes Management unterschiedlicher Zeitlogiken zwischen Professionen erfordert.

Zusammenfassung des Webinars

Aufnahme des Webinars

25. März 2026, 12h00 bis 13h00

Die Sicherstellung von Legitimität in Entscheidungsprozessen in der integrierten Versorgung

Teilnehmende können das Vertrauen in kooperative Steuerungsprozesse verlieren, wenn sie die internen Entscheidungsprozesse nicht als legitim wahrnehmen. Die Teilnehmenden reflektieren Praktiken der Sicherstellung von Legitimität in der Steuerung von Versorgungsnetzwerken.

Praxisexperte: Andreas Helg, Fachärztlicher Berater Managed Care, Mitglied der Geschäftsleitung Argomed

Moderation Oliver Strehle, Geschäftsführer Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc).

Text: Mosley et al., Decision-Making in Collaborative Governance Networks: Pathways to Input and Throughput Legitimacy. Journal of Public Administration Research and Theory, 2021.

Kurzzusammenfassung des Webinars

Am 25. März 2026 fand das fünfte Webinar der zweiten Staffel des fmc HSG Management Journal Club statt. Im Zentrum stand die Frage, wie Legitimität in Entscheidungsprozessen integrierter Versorgungsinitiativen sichergestellt werden kann.

Ausgangspunkt bildete der Artikel von Mosley und Wong (2021), der zwischen Beteiligungslegitimität („input legitimacy“) und Prozesslegitimität („throughput legitimacy“) unterscheidet. Während erstere den Zugang und die Mitsprache der Akteure beschreibt, fokussiert letztere auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Qualität der Entscheidungsprozesse.

Die von Matthias Mitterlechner präsentierten Studienergebnisse zeigen, dass Beteiligungslegitimität in Netzwerken häufiger erreicht wird als Prozesslegitimität. Gleichzeitig wird deutlich, dass beide Dimensionen zwar zusammenhängen, aber nicht automatisch gemeinsam auftreten. Besonders kritisch ist die Konstellation, in der Mitglieder zwar ihre Meinung einbringen können, jedoch nicht nachvollziehen können, wie Entscheidungen zustande kommen – ein Zustand, der langfristig zu Vertrauensverlust und sinkendem Engagement führt.

Als zentrale Einflussfaktoren für hohe Legitimität wurden persönlicher Austausch, Netzwerkgrösse, transparente Kommunikation bei Veränderungen sowie die Rolle der Netzwerkkoordination identifiziert. Insbesondere physische Treffen und aktive Arbeitsgruppen fördern Vertrauen und Prozessverständnis, während rein digitale Formate dies nur bedingt leisten können. Zudem zeigt sich, dass partizipative Führungsrollen (Facilitator oder Co-Produzent) die Legitimität stärken, während top-down geprägte Steuerung diese eher untergräbt.

Die praxisbezogene Reflexion aus Ärztenetzwerken durch Andreas Helg verdeutlichte, dass diese Erkenntnisse grundsätzlich übertragbar sind, jedoch durch strukturelle Rahmenbedingungen wie vertragliche Vorgaben, Netzwerkgrösse und begrenzte zeitliche Ressourcen beeinflusst werden. Ein zentrales Spannungsfeld besteht zwischen dem Anspruch auf Mitbestimmung und der tatsächlichen Bereitschaft zur aktiven Beteiligung.

Insgesamt unterstreicht das Webinar, dass die Sicherstellung von Legitimität eine zentrale Voraussetzung für das Funktionieren integrierter Versorgungsnetzwerke ist. Sie erfordert bewusst gestaltete Beteiligungsprozesse, transparente Entscheidungsstrukturen sowie eine Führungskultur, die auf Einbindung und Vertrauen ausgerichtet ist.

Zusammenfassung des Webinars

Aufnahme des Webinars

Séverine Schusselé Filliettaz

Die integrierte Versorgung ist Teil der Antworten auf die Frage nach der Nachhaltigkeit von Gesundheitssystemen. Als Teil des fmc kann ich zu Überlegungen und Lösungen beitragen.

Séverine Schusselé Filliettaz ist ausgebildete Krankenpflegerin und verfügt über einen Master Abschluss in Public Health, sowie einen Doktortitel zum Thema der Integrierten Versorgung in der Schweiz.

Seit etwa zehn Jahren leitet Schusselé Filliettaz in der Westschweiz integrierte Versorgungsprojekte zu verschiedenen Themen, u.a. Interprofessionalität, Versorgungsmanagement, Finanzierung, E-Patienten Dossier.

Sie arbeitet seit 2015 mit dem fmc zusammen u.a. für die Schweizerische Erhebung zur Integrierten Versorgung und für einzelnen fmc Denkstoffe

Ursula Koch

Mein Engagement für die integrierte biopsychosoziale Versorgung zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Lebenslauf. Eine fragmentierte Versorgung wird den ganzheitlichen Bedürfnissen der Menschen und vielfältigen Komponenten von Gesundheit nicht gerecht. Eine wirksame und personenorientierte Versorgung setzt interprofessionelle Zusammenarbeit sowie gut koordiniertes Handeln voraus. Dafür setze ich mich ein!  

Ursula Koch, PhD, FSP Gesundheitspsychologie kennt das Gesundheitssystem aus Praxis, Wissenschaft und Politik.

Sie war in den letzten 15 Jahren in diversen Führungspositionen im Gesundheitswesen tätig, u.a. als Leiterin des Programms Psychische Gesundheit im Kanton Zug, als Abteilungsleiterin «Nicht übertragbare Erkrankungen» beim Bundesamt für Gesundheit sowie als Geschäftsleitungsmitglied bei der Krebsliga Schweiz.

Neben ihrem Master in Psychologie hat sie einen Master in Organisationsentwicklung & Coaching, eine Verbandsmanagement-Ausbildung sowie einen PhD in Versorgungsforschung.

Letztlich hat sie sich auch im Rahmen des «Harkness Fellowship in health care policy and practice» an der Harvard Medical School (USA) intensiv mit dem Gesundheitswesen auseinandergesetzt.

Neben dem fmc engagiert sie sich als Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik (SGGP) und als Direktorin des Zentrum Inselhof in Zürich für eine patientenzentrierte Versorgung und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens.

Susanne Hochuli

Integrierte Versorgung ist zentral, damit der Patient, die Patientin tatsächlich im Zentrum der Gesundheitsversorgung steht.

Susanne Hochuli war während acht Jahren als Regierungsrätin im Kanton Aargau für das Departement Gesundheit und Soziales verantwortlich. In dieser Zeit vertrat sie den Aargau im Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK und amtete als Vizepräsidentin des Beschlussorgans Hochspezialisierte Medizin HSM.

Sie ist aktuell als Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO sowie Greenpeace tätig und engagiert sich daneben beim ökosozialen Projekt weltweit-essen.ch.

Urs Hepp

Email: hepp@hin.ch
Linkedin: Urs Hepp

Die Integrierte Versorgung ist die Grundvoraussetzung für ein qualitativ hochstehendes und kosteneffizientes Gesundheits- und Sozialwesen. Polymorbidität und chronische Erkrankungen nehmen zu und da ist das Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend. Die Schnittstellen müssen zu Nahtstellen werden.

Urs Hepp ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. 2017 habilitierte er, seit 2014 ist er Titularprofessur an der Universität Zürich. 2016-2021 war er Ärztlicher Direktor der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), zuvor Chefarzt / Mitglied der Geschäftsleitung der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG).

Seit 2022 ist er selbständig mit der Firma hepp-health GmbH mit den Schwerpunkten Public Mental Health, Integrierte Versorgung, Psyche und Arbeit sowie Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Er ist engagiert in Lehre und Forschung.

Er hat das Verwaltungsratspräsidium der WorkMed AG sowie verschiedene Aufsichtsratsmandate inne. Er ist Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und Psychosomatik (SSCLPP) und Vize-Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter NKVF.

Forschung: Versorgungsforschung, Public Mental Health, Suizidprävention

Lehrtätigkeit: Public Mental Health, Psychosoziale Medizin, Systemische Psychotherapie

Barbara Gysi

Die integrierte Versorgung ist ein wichtiges Element für eine qualitative bessere und günstigere Versorgung zum Nutzen der Patient:innen.

Barbara Gysi, Dipl. Sozialpädagogin & MAS Public Management, ist seit 2011 Nationalrätin und derzeit Präsidentin der nationalrätlichen Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-N). Sie hat massgeblich an der Pflegeinitiative mitgewirkt. 

Nebst Einsitz im St. Galler Kantonsrat war sie während 12 Jahren in der Exekutive der Stadt Wil SG, wo sie u.a. die stationäre und ambulante Langzeitpflege weiterentwickelte und gemeinsam mit anderen Gemeinden unter einem Dach zusammenführen und eine Beratungs- und Drehscheibe installieren konnte (www.thurvita.ch). Bereits als Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin arbeitete sie mit systemischen Ansätzen.

Caroline Gurtner

Patientinnen und Patienten bringen eine relevante Expertise im Umgang mit ihrer Erkrankung mit und können damit einen wichtigen Beitrag zur Lösungsfindung von Gesundheitsproblemen leisten. Die integrierte Versorgung nutzt diesen Ansatz und setzt sich für eine stärkere Beteiligung von Patientinnen und Patienten in der Gesundheitsversorgung ein.

Caroline Gurtner ist Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin und befindet sich derzeit im Doktoratsstudium an der Universität Maastricht, welches sie voraussichtlich 2024 abschliesst.

Sie bringt langjährige berufliche Erfahrung in der psychiatrischen Versorgung, in der angewandten Forschung und Lehre sowie  im Tätigkeitsbereich einer NGO mit Schwerpunkt Sozialpolitik mit.

Die Schwerpunkte ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit umfassen die Themen Shared Decision Making, Personenzentrierung, User Involvement, Partizipation, Community Building, Suizidprävention sowie Qualitätsentwicklung. Caroline Gurtner absolvierte ihr Masterstudium in Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Universität Basel und verfügt über einen CAS in Research in Applied Sciences der Berner Fachhochschule.

Im Rahmen ihrer selbständigen Tätigkeit engagiert sie sich als Co-Präsidentin der akademischen Fachgesellschaft psychiatrische Pflege, als Stiftungsrätin bei der Schweizerischen EPI Stiftung und übt verschiedene Mandate für Projekte, Lehrveranstaltungen sowie Mitarbeit in Gremien und Kommissionen aus.

Christian Frei

Christian Frei ist Leiter der Integrierten Versorgung der SWICA Krankenversicherung. Er ist Pharmazeut (FPH Offizinapotheke) und Master of Public Health. Seit Jahren beschäftigt er sich mit der Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Dass die besten Resultate mit der sinnvollen Zusammenarbeit von verschiedenen Disziplinen erzielt werden, ist ihm als Bandmitglied in verschiedenen Formationen bestens bekannt. Nur wenn die Instrumente aufeinander abgestimmt sind, entsteht Musik… Vorher arbeitete er als Leiter der Medikamentenfachstelle der SWICA, sowie als Leiter Pharma und Managed Care bei santémed und sanacare. Er hat nach dem Pharmaziestudium 10 Jahre eine Apotheke für die Genossenschaftsapotheken Winterthur geführt, kennt entsprechend auch die Leistungserbringerseite. Weitere Tätigkeiten: Mitglied der Sozial- und Gesundheitskommission in der Wohngemeinde, Vorstand QualiCcare, Lehrauftrag Pharmakologie am Careum und Vorstand von www.stallrock.ch.

Serge Bignens

Serge Bignens ist Professor und Leiter des Instituts für Medizininformatik an der Berner Fachhochschule (BFH).

Seine Forschungs- und Lehreaktivitäten umfassen die Bereiche Befähigung von chronischen Patienten, Patient Reported Outcome Measures (PROMs), mobilen Gesundheits-Applikationen und Gesundheits-Datenökosysteme.

Er besitzt ein MSc in Engineering von der EPFL und ein MAS in Gesundheitsökonomie und -management von der Universität Lausanne und war bei IT Dienstleistungsfirmen als Berater und Manager und danach bei einer kantonalen Gesundheitsdirektion als eHealth Verantwortlicher tätig.

Serge Bignens engagiert sich als Vorstandsmitglied von Swiss Cancer Screening und der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik, ist Gründungsmitglied der MIDATA Genossenschaft und des Vereins ch++ und ist digital Health Experte bei Innosuisse und beim Fachgremium des BAG zur Prävention in der Gesundheitsversorgung.

Nadja Blanchard

Leiterin Marketing & Events

Seit ihrem Master im Bereich Gesellschaftswissenschaften war Nadja Blanchard im In- und Ausland in unterschiedlichen Firmen und Organisationen im Bereich Marketing, Events und Kommunikation tätig.

Diese Erfahrung hat sie in den letzten 10 Jahren durch die Beratung von Nonprofit-Organisation in den Bereichen Strategie und Marketing ergänzt.

Durch den Kontakt mit einer Vielzahl von Organisationen und deren aktuellen Herausforderungen in Themen wie Struktur, Personal und Finanzierung entstand ihr Interesse an der Arbeitswelt 4.0., zu der sie sich stetig weiterbildet. 

Oliver Strehle

Geschäftsführer

Oliver Strehle hat in Nürnberg/Deutschland Sozialwissenschaften studiert und ist 2006 in die Schweiz gezogen.

Knapp 13 Jahre war er bei der Ärztenetz Betriebsgesellschaft MedSolution AG in Zürich tätig und hat dort den Geschäftsbereich Vertrags und Leistungsmanagement geleitet. Während dieser Tätigkeit hat Herr Strehle die verschiedenen Bereiche der Ärztenetze von Budgetmitverantwortung, Behandlungsmanagement, Qualitätsmanagement, Versorgungstransparenz und Organisationsentwicklung kennengelernt und weiterentwickelt.

Bis 2020 war Herr Strehle 3 Jahre im Vorstand von medswiss.net, dem Dachverband der Schweizer Ärztenetze aktiv.

Seit 2023 ist er Verwaltungsratsmitglied der eastcare AG und seit 2020 Inhaber der Beratungsfirma IKUmed Consulting GmbH.

Annamaria Müller

Präsidentin

Wir haben eins der teuersten, besten und gerechtesten Gesundheitssysteme der Welt. Trotzdem haben wir Mühe, eine durchgehende und zusammenhängende Gesundheitsversorgung anzubieten. Dies zu ändern, ist unser Ziel.

Nach Abschluss ihres VWL-Studiums an der Uni Bern arbeitete Annamaria Müller als freie Mitarbeiterin bei der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), später als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich.

1997 wechselte sie als Bereichsleiterin Gesundheitsökonomie zurück zur GDK und wurde anschliessend stellvertretende Zentralsekretärin.

2002 wurde Frau Müller Generalsekretärin der FMH. Von 2009 bis 2019 arbeitete sie in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern als Vorsteherin des Spitalamts.

Seit 2020 ist Frau Müller mit ihrer Firma Amidea GmbH – New Health Care Solutions freischaffend tätig. Sie übt verschiedene Aufsichtsratsmandate aus und hat das Verwaltungsratspräsidium des HFR freiburger spital inne.