Der neue Einkommensreport von Helsana untersucht anhand von Krankenversicherungsdaten und offiziellen Einkommensregistern den Zusammenhang zwischen Haushaltseinkommen, Gesundheitszustand und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in der Schweiz.
Die Auswertungen zeigen, dass Menschen mit tieferem Einkommen häufiger unter chronischen Erkrankungen leiden und das Gesundheitssystem deutlich intensiver nutzen als Personen mit höherem Einkommen. Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei Depressionen, chronischen Schmerzen und erhöhten Cholesterinwerten. So ist die Prävalenz von Depressionen in der tiefsten Einkommenskategorie rund dreimal höher als in der höchsten, und auch chronische Schmerzen treten mehr als dreimal so häufig auf. Entsprechend werden Arztkonsultationen, Medikamente und weitere Gesundheitsleistungen häufiger in Anspruch genommen, was zu höheren Gesundheitskosten führt.
Gleichzeitig zeigt der Report einen paradoxen Befund: Einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen nutzen Präventions- und Vorsorgeangebote trotz ihres höheren Krankheitsrisikos deutlich seltener – selbst dann, wenn diese kostenlos zur Verfügung stehen. Die Autoren führen dies nicht allein auf finanzielle Hürden zurück, sondern insbesondere auf Unterschiede bei Gesundheitskompetenz, Information und Zugang zu geeigneten Angeboten.
Der Bericht macht damit deutlich, dass gesundheitliche Ungleichheiten eng mit sozialen Determinanten der Gesundheit verknüpft sind und sich über den gesamten Versorgungspfad hinweg auswirken. Gesundheitliche Chancengleichheit entsteht somit nicht allein durch den gleichen Zugang zu medizinischen Leistungen. Vielmehr benötigen einkommensschwache bzw. sozial benachteiligte Menschen eine stärker koordinierte, präventiv ausgerichtete und bedarfsgerechte Versorgung, welche medizinische, soziale und gesundheitsfördernde Angebote miteinander verbindet.