Der Artikel untersucht die Entwicklung und zukünftige Belastung potenziell vermeidbarer Hospitalisationen (PAHs) bei chronischen Erkrankungen in der Schweiz. Im Fokus stehen dabei die Erkrankungen chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD), Asthma, Herzinsuffizienz (CHF), Hypertonie und Diabetes. PAHs umfassen Hospitalisationen, die durch eine rechtzeitige, koordinierte und qualitativ hochwertige Primärversorgung vermeidbar wären. Methodisch werden diese anhand international standardisierter OECD-Kriterien auf Basis von Routinedaten identifiziert, insbesondere über definierte Hauptdiagnosen sowie klar festgelegte Ein- und Ausschlusskriterien.
Zwischen 2012 und 2019 stieg die Anzahl dieser potenziell vermeidbaren Hospitalisationen deutlich an und wird aufgrund der alternden Bevölkerung sowie struktureller Herausforderungen in der Grundversorgung weiter zunehmen. Besonders stark betroffen sind Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz und COPD, die zusammen den Grossteil der Fälle ausmachen. Damit verbunden ist ein erheblicher Anstieg des Ressourcenverbrauchs im stationären Bereich – sowohl hinsichtlich benötigter Spitalbetten als auch der Gesundheitskosten.
Die Studie nennet zentrale Ansatzpunkte zur Reduktion vermeidbarer Hospitalisationen. Eine entscheidende Rolle spielt die ambulante Versorgung: Eine bessere Verfügbarkeit von Hausärztinnen und Hausärzten, die konsequente Umsetzung evidenzbasierter Therapien sowie eine koordinierte Betreuung chronisch kranker Patientinnen und Patienten können Hospitalisationen deutlich reduzieren.
Die Studie betont die Bedeutung einer gut abgestimmten, interprofessionellen Zusammenarbeit entlang des gesamten Versorgungspfades. Die Ergebnisse zeigen, dass durch koordinierte Versorgungsmodelle, frühzeitige Interventionen und den gezielten Einsatz von Versorgungsdaten eine effektivere Steuerung chronischer Erkrankungen möglich ist und gleichzeitig die Belastung des stationären Sektors reduziert werden kann.