Die Studie „A prescription for knowledge: Patient information and generic substitution“ untersucht, welchen Einfluss gezielte Patienteninformation auf die Wahl zwischen Originalpräparaten und Generika hat. Grundlage ist eine Intervention einer Schweizer Krankenversicherung, die über 60’000 Versicherte mittels personalisierter Briefe über günstigere, therapeutisch gleichwertige Generika informierte. Durch ein quasi-experimentelles Design kann der kausale Effekt dieser Information isoliert werden. Die Ergebnisse zeigen eine deutliche Verhaltensänderung: Die Wahrscheinlichkeit eines Wechsels zu Generika steigt von rund 10 % auf über 30 %, was einer nahezu Vervierfachung entspricht.
Bemerkenswert ist, dass dieser Effekt weitgehend unabhängig von finanziellen Anreizen ist. Selbst Patient:innen ohne direkte Kosteneinsparung reagieren stark auf die bereitgestellten Informationen. Dies deutet darauf hin, dass nicht primär fehlende Preisanreize, sondern mangelnde Information bzw. Aufmerksamkeit eine zentrale Barriere für effiziente Entscheidungen im Gesundheitswesen darstellen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass die Intervention mit minimalen Kosten verbunden ist, jedoch substanzielle Einsparungen generiert.
Aus Sicht der integrierten Versorgung unterstreichen die Ergebnisse die Bedeutung von informierten und aktiv eingebundenen Patient:innen. Eine wirksame Versorgung erfordert nicht nur abgestimmte Prozesse zwischen Leistungserbringenden, sondern auch Transparenz und Verständlichkeit für Betroffene, damit diese als Partner:innen im Versorgungsgeschehen agieren können. Die Studie zeigt exemplarisch, wie gezielte Information das Patientenverhalten positiv beeinflussen und damit zur Effizienzsteigerung im System beitragen kann.