HomeWas wir machenWebinare

PEPra – Unterstützung für die Prävention nicht übertragbarer Krankheiten im Praxisallltag der Grundversorger

9. Januar 2023

Wie können ambulante Grundversorger mehr präventiv tätig sein? Das Webinar stellt das Projekt PEPra – Prävention mit Evidenz in der Praxis – vor und diskutiert mit Expert:innen die Chancen und Herausforderungen.

Die Expert:innen

  • Salomé Steinle, Projektleiterin PEPra. Stv. Abteilungsleiterin Public Health, FMH
  • Chiwith Baumberger, Fachspezialistin MPA, FMH
  • Martin Liesch, Hausarzt, Schiers (GR). Medizinischer Leiter Ärztenetz Grisomed
  • Nicole Thönen, Leitende MPA, Praxis für Hausarztmedizin, Belp. Zentralpräsidentin SVA
  • Christian Frei, Leiter Integrierte Versorgung SWICA
  • Jvo Schneider, Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz

Initiaves Pilotprojekt der FMH

PEPRa ist ein Pilotprojekt der FMH mit einer breit aufgestellten Trägerschaft. Es ist eine Informations-Plattform für Arztpraxen, richtet sich mit Tools, modularen Fortbildungen und regionalen Info-Events an das gesamte Praxisteam, Ärzt:innen und MPAs. Mit Blick auf nicht übertragbare Krankheiten soll PEPra die Umsetzung von Prävention im Praxisalltag erleichtern. Es ist evidenzbasiert erarbeitet, patientenzentriert und praxistauglich.

Ein Hintergrund von PEPra ist die hohe Prävalenz nicht übertragbarer Krankheiten in der Schweiz:

  • Diabetes, Krebs, kardiovaskuläre Krankheiten (ca. 2,2 Millionen Menschen).
  • Depression: bei 5% der Bevölkerung (ca. 400’000) diagnostiziert.
  • Suchterkrankungen: hohe Dunkelziffer, grosse Herausforderung für das Gesundheitswesen.

 

PEPra-Projektleiterin Salomé Steinle betont in ihrer Präsentation die zentrale Rolle der Grundversorger für die Prävention. «Sie sind eine wichtige Anlaufstelle für die Patient:innen. Das Praxisteam geniesst deren Vertrauen. Der direkte Draht ist eine wertvolle Ressource für die Prävention.» Der Return of Investment von Prävention sei unbestritten. Die Frage laute eher, wie man sie optimal einsetzen, organisieren und finanzieren kann.

Chewith Baumberger, MPA-Fachspezialistin bei der FMH, betont die Grundorientierung von PEPra: «Von der Praxis für die Praxis». Die Haltung des gesamten Praxisteams sei dabei entscheidend. Würden alle präventionsorientiert denken und handeln, sei das ein grosser Mehrwert für die Patient:innen, Ärzt:innen und das Praxisteam. 

Reflexionen aus der Alltagspraxis

Martin Liesch, Hausarzt in Schwiers und medizinischer Leiter des Ärztenetzes Grisomed, begrüsst PEPra als Mehrwert für seine Arbeit. «Sensibilisierung, Fortbildung und ausbaubare Angebote zeigen in die Richtung, die wir brauchen.» Er weist aber auch auf die Hindernisse der Prävention hin. Obwohl vieles systematisch gemacht werde (Screening, Impfungen, Schularzt usw.), erfolge Prävention mehrheitlich auf individueller Initiative. Die Programme seien noch zu sehr risikobezogen, nicht populationsorientiert. Komme dazu, dass das Verhalten der Patienten schwer beeinflussbar und oftmals widersprüchlich sei. Das führe häufig zu absurden Situationen. Liesch nennt das Beispiel des Rauchers, der sein Cholesterin behandeln lasse, aber weiter rauche und sich zu wenig bewege.

Patientenverhalten bewerten, das sei ein heikles Thema, sagt Christian Frei von der SWICA. Wo sind die Grenzen? Schliesslich würden auch nicht alle Ärzte gleich viel Gewicht auf die Prävention legen. Zur Finanzierung meint er, die Grundversicherung sollte evidenzbasierte Prävention übernehmen. Die Herausforderung bleibe aber, wie man die Zielgruppe erreiche. Denn viele gefährdete Menschen kämen erst als Patient:innen. «Für diese Leute brauchen wir eine Öffnung zu weiteren Leistungserbringern, etwa Physiotherapie und Apotheken.»

Aufwertung von Prävention und Praxisteam

Wie und wann jemanden ansprechen? Diese Frage steht für Nicole Thönen, Präsidentin des Verbands Medizinischer Praxis-Fachpersonen (SVA), im Zentrum. MPA und MPK könnten diese Arbeit leisten. «Wir müssen sie für das Thema und das Feingefühl für unterschwellige Gespräche sensibilisieren», sagt sie. Das verlange nach einer sorgfältigen Ausbildung. Dazu brauche es Zeit. Thönen freut sich über PEPra. «Dies Projekt ist sehr wertvoll. Es fördert den Wert für die Menschen, den Sinn der Arbeit und das Wir-Gefühl im Praxisteam.» Sie weist aber auch auf die Gradwanderung hin, gerade beim Thema Sucht. Das anzusprechen, sei schwierig. Und wie weit solle man gehen? Martin Liesch betont hier, viele Patient:innen würden irritiert reagieren, wenn man sie beiläufig auf dieses Thema anspreche.

Natürlich diskutierten die Fachleute auch über Finanzierungsfragen. Hausarzt Martin Liesch betonte, man müsse hier schon genau hinsehen. Irgendwoher müsse die Leistungen ja bezahlt werden. Eine Pauschale? Allgemein: Wie könne man Anreize schaffen für mehr Primärprävention? Christian Frei (SWICA) dazu: «Da sind wir offen für Gespräche!»

Rahmenbedingungen schaffen

Alle waren sich einig: PEPra sei ein wichtiger Ansatz zu gezielter Prävention. Das Projekt solle unbedingt weiterentwickelt werden. Moderator Oliver Strehle fasste zusammen: Prävention gehöre in den Praxisalltag der Grundversorger und verlange nach systematischem Vorgehen. Dazu gehöre auch die Öffnung zu den sozialen Aspekten von Krankheit: «Krankheit macht arm – Armut macht krank». Die Rahmenbedingungen, so Strehle, müssten angepasst werden, damit sich auch in der Prävention etwas Zukunftsweisendes ändere.

FMC Projektclub GPV: PEPra – Prävention mit Evidenz in der Praxis 

Das Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc) bedankt sich bei den Expert:innen für ihre wertvollen Beiträge.

Séverine Schusselé Filliettaz

Séverine Schusselé Filliettaz ist ausgebildete Krankenpflegerin und verfügt über einen Master Abschluss in Public Health, sowie einen Doktortitel zum Thema der Integrierten Versorgung in der Schweiz.

Seit etwa zehn Jahren leitet Schusselé Filliettaz in der Westschweiz integrierte Versorgungsprojekte zu verschiedenen Themen, u.a. Interprofessionalität, Versorgungsmanagement, Finanzierung, E-Patienten Dossier.

Sie arbeitet seit 2015 mit dem fmc zusammen u.a. für die Schweizerische Erhebung zur Integrierten Versorgung und für einzelnen fmc Denkstoffe

Ursula Koch

Mein Engagement für die integrierte biopsychosoziale Versorgung zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Lebenslauf. Eine fragmentierte Versorgung wird den ganzheitlichen Bedürfnissen der Menschen und vielfältigen Komponenten von Gesundheit nicht gerecht. Eine wirksame und personenorientierte Versorgung setzt interprofessionelle Zusammenarbeit sowie gut koordiniertes Handeln voraus. Dafür setze ich mich ein!  

Ursula Koch, PhD, FSP Gesundheitspsychologie kennt das Gesundheitssystem aus Praxis, Wissenschaft und Politik.

Sie war in den letzten 15 Jahren in diversen Führungspositionen im Gesundheitswesen tätig, u.a. als Leiterin des Programms Psychische Gesundheit im Kanton Zug, als Abteilungsleiterin «Nicht übertragbare Erkrankungen» beim Bundesamt für Gesundheit sowie als Geschäftsleitungsmitglied bei der Krebsliga Schweiz.

Neben ihrem Master in Psychologie hat sie einen Master in Organisationsentwicklung & Coaching, eine Verbandsmanagement-Ausbildung sowie einen PhD in Versorgungsforschung.

Letztlich hat sie sich auch im Rahmen des «Harkness Fellowship in health care policy and practice» an der Harvard Medical School (USA) intensiv mit dem Gesundheitswesen auseinandergesetzt.

Neben dem fmc engagiert sie sich als Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik (SGGP) und als Direktorin des Zentrum Inselhof in Zürich für eine patientenzentrierte Versorgung und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens.

Susanne Hochuli

Integrierte Versorgung ist zentral, damit der Patient, die Patientin tatsächlich im Zentrum der Gesundheitsversorgung steht.

Susanne Hochuli war während acht Jahren als Regierungsrätin im Kanton Aargau für das Departement Gesundheit und Soziales verantwortlich. In dieser Zeit vertrat sie den Aargau im Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK und amtete als Vizepräsidentin des Beschlussorgans Hochspezialisierte Medizin HSM.

Sie ist aktuell als Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO sowie Greenpeace tätig und engagiert sich daneben beim ökosozialen Projekt weltweit-essen.ch.

Urs Hepp

Email: hepp@hin.ch
Linkedin: Urs Hepp

Die Integrierte Versorgung ist die Grundvoraussetzung für ein qualitativ hochstehendes und kosteneffizientes Gesundheits- und Sozialwesen. Polymorbidität und chronische Erkrankungen nehmen zu und da ist das Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend. Die Schnittstellen müssen zu Nahtstellen werden.

Urs Hepp ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. 2017 habilitierte er, seit 2014 ist er Titularprofessur an der Universität Zürich. 2016-2021 war er Ärztlicher Direktor der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), zuvor Chefarzt / Mitglied der Geschäftsleitung der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG).

Seit 2022 ist er selbständig mit der Firma hepp-health GmbH mit den Schwerpunkten Public Mental Health, Integrierte Versorgung, Psyche und Arbeit sowie Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Er ist engagiert in Lehre und Forschung.

Er hat das Verwaltungsratspräsidium der WorkMed AG sowie verschiedene Aufsichtsratsmandate inne. Er ist Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und Psychosomatik (SSCLPP) und Vize-Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter NKVF.

Forschung: Versorgungsforschung, Public Mental Health, Suizidprävention

Lehrtätigkeit: Public Mental Health, Psychosoziale Medizin, Systemische Psychotherapie

Barbara Gysi

Barbara Gysi, Dipl. Sozialpädagogin & MAS Public Management, ist seit 2011 Nationalrätin und Vizepräsidentin der nationalrätlichen Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-N). Sie hat massgeblich an der Pflegeinitiative mitgewirkt. Sie hat massgeblich an der Pflegeinitiative mitgewirkt.

Nebst Einsitz im St. Galler Kantonsrat war sie während 12 Jahren in der Exekutive der Stadt Wil SG, wo sie u.a. die stationäre und ambulante Langzeitpflege weiterentwickelte und gemeinsam mit anderen Gemeinden unter einem Dach zusammenführen und eine Beratungs- und Drehscheibe installieren konnte (www.thurvita.ch). Bereits als Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin arbeitete sie mit systemischen Ansätzen. Die integrierte Versorgung ist ein wichtiges Element für eine qualitative bessere und erst noch günstigere Versorgung zum Nutzen der Patient:innen.

Caroline Gurtner

Patientinnen und Patienten bringen eine relevante Expertise im Umgang mit ihrer Erkrankung mit und können damit einen wichtigen Beitrag zur Lösungsfindung von Gesundheitsproblemen leisten. Die integrierte Versorgung nutzt diesen Ansatz und setzt sich für eine stärkere Beteiligung von Patientinnen und Patienten in der Gesundheitsversorgung ein.

Caroline Gurtner ist Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin und befindet sich derzeit im Doktoratsstudium an der Universität Maastricht, welches sie voraussichtlich 2024 abschliesst.

Sie bringt langjährige berufliche Erfahrung in der psychiatrischen Versorgung, in der angewandten Forschung und Lehre sowie  im Tätigkeitsbereich einer NGO mit Schwerpunkt Sozialpolitik mit.

Die Schwerpunkte ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit umfassen die Themen Shared Decision Making, Personenzentrierung, User Involvement, Partizipation, Community Building, Suizidprävention sowie Qualitätsentwicklung. Caroline Gurtner absolvierte ihr Masterstudium in Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Universität Basel und verfügt über einen CAS in Research in Applied Sciences der Berner Fachhochschule.

Im Rahmen ihrer selbständigen Tätigkeit engagiert sie sich als Co-Präsidentin der akademischen Fachgesellschaft psychiatrische Pflege, als Stiftungsrätin bei der Schweizerischen EPI Stiftung und übt verschiedene Mandate für Projekte, Lehrveranstaltungen sowie Mitarbeit in Gremien und Kommissionen aus.

Marc Cikes

Marc Cikes ist Mediziner und Absolvent zweier CAS in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement des IEMS Lausanne.

Er war Leiter eines medizinischen Analyselabors, Mitbegründer des Medizinischen Zentrums in Renens und stellvertretender Geschäftsführer der waadtländischen Niederlassung des Ärztenetzes Delta. 

Er beteiligt sich seit mehreren Jahren an der Leitung von Projekten im ambulanten Sektor in der Westschweiz.

Serge Bignens

Serge Bignens ist Professor und Leiter des Instituts für Medizininformatik an der Berner Fachhochschule (BFH).

Seine Forschungs- und Lehreaktivitäten umfassen die Bereiche Befähigung von chronischen Patienten, Patient Reported Outcome Measures (PROMs), mobilen Gesundheits-Applikationen und Gesundheits-Datenökosysteme.

Er besitzt ein MSc in Engineering von der EPFL und ein MAS in Gesundheitsökonomie und -management von der Universität Lausanne und war bei IT Dienstleistungsfirmen als Berater und Manager und danach bei einer kantonalen Gesundheitsdirektion als eHealth Verantwortlicher tätig.

Serge Bignens engagiert sich als Vorstandsmitglied von Swiss Cancer Screening und der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik, ist Gründungsmitglied der MIDATA Genossenschaft und des Vereins ch++ und ist digital Health Experte bei Innosuisse und beim Fachgremium des BAG zur Prävention in der Gesundheitsversorgung.

Nadja Blanchard

Leiterin Marketing & Events

Seit ihrem Master im Bereich Gesellschaftswissenschaften war Nadja Blanchard im In- und Ausland in unterschiedlichen Firmen und Organisationen im Bereich Marketing, Events und Kommunikation tätig.

Diese Erfahrung hat sie in den letzten 10 Jahren durch die Beratung von Nonprofit-Organisation in den Bereichen Strategie und Marketing ergänzt.

Durch den Kontakt mit einer Vielzahl von Organisationen und deren aktuellen Herausforderungen in Themen wie Struktur, Personal und Finanzierung entstand ihr Interesse an der Arbeitswelt 4.0., zu der sie sich stetig weiterbildet. 

Oliver Strehle

Geschäftsführer

Oliver Strehle hat in Nürnberg/Deutschland Sozialwissenschaften studiert und ist 2006 in die Schweiz gezogen.

Knapp 13 Jahre war er bei der Ärztenetz Betriebsgesellschaft MedSolution AG in Zürich tätig und hat dort den Geschäftsbereich Vertrags und Leistungsmanagement geleitet. Während dieser Tätigkeit hat Herr Strehle die verschiedenen Bereiche der Ärztenetze von Budgetmitverantwortung, Behandlungsmanagement, Qualitätsmanagement, Versorgungstransparenz und Organisationsentwicklung kennengelernt und weiterentwickelt.

Bis 2020 war Herr Strehle 3 Jahre im Vorstand von medswiss.net, dem Dachverband der Schweizer Ärztenetze aktiv.

Seit 2017 ist er Verwaltungsratsmitglied der mediX bern AG und seit 2020 Inhaber der Beratungsfirma IKUmed.

Annamaria Müller

Präsidentin

Wir haben eins der teuersten, besten und gerechtesten Gesundheitssysteme der Welt. Trotzdem haben wir Mühe, eine durchgehende und zusammenhängende Gesundheitsversorgung anzubieten. Dies zu ändern, ist unser Ziel.

Nach Abschluss ihres VWL-Studiums an der Uni Bern arbeitete Annamaria Müller als freie Mitarbeiterin bei der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), später als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich.

1997 wechselte sie als Bereichsleiterin Gesundheitsökonomie zurück zur GDK und wurde anschliessend stellvertretende Zentralsekretärin.

2002 wurde Frau Müller Generalsekretärin der FMH. Von 2009 bis 2019 arbeitete sie in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern als Vorsteherin des Spitalamts.

Seit 2020 ist Frau Müller mit ihrer Firma Amidea GmbH – New Health Care Solutions freischaffend tätig. Sie übt verschiedene Aufsichtsratsmandate aus und hat das Verwaltungsratspräsidium des HFR freiburger spital inne.