HomeWas wir machenWebinare

Die In-HospiTOOL Studie – Interprofesionelle Austrittsplanung verkürzt Dauer des Spitalaufenthalts

10. März 2023

Der fmc-Projektclub präsentiert mit seinem Kooperationspartner NFP74 (Nationales Forschungsprogramm «Smarter Health Care») in dieser Webinar-Reihe innovative Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung. Ziel ist der Transfer von Erkenntnissen und Erfahrungen zur Verbesserung der Versorgung.

Die Expert:innen
  • Dr. med. Alexander Kutz, Oberarzt mbF, Kantonsspital Aarau
  • Dr. Kathrin Behrens, Fachärztin für Chirurgie, Leiterin Zentrales Patientenmanagement, Kantonsspital St. Gallen

Nationales Forschungsprojekt zu mehr integrierter Versorgung

Projektleiterin Manuela Oetterli stellte das NFP74 zu Beginn kurz vor. Es wurde im Auftrag des Bundesrates vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung der Schweiz von 2017 bis 2022 durchgeführt. NFP74 fokussiert auf Prävention und Behandlung multimorbider Patient:innen. Die Forschung betrifft die drei Bereiche stationäre, ambulante sowie post-spitale Versorgung zuhause. Strategisch stehen drei Faktoren im Zentrum: evidenzbasierte Grundlagen, der Aufbau einer starken Forschungsgemeinschaft und die Optimierung von Gesundheitsdaten. Die In-HospiTOOL-Studie (Projekt 18 von NFP74) zeigt auf, wie durch eine systematische, interprofessionelle Austrittsplanung die Dauer des Spitalaufenthalts verkürzt werden kann.

Sportliche Rahmenbedingungen

Projektleiter Alexander Kutz, Oberarzt am Kantonspital Aarau, skizzierte zunächst die Rahmenbedingungen unserer Spitallandschaft: Kostendruck, Fachkräftemangel, Digitalisierung und Demografie bildeten ein dynamisches, herausforderndes Setting im Schweizer Gesundheitswesen, das mit $7179 pro Kopf weltweit zu den teuersten gehört.

Wie sicher ist eine Verkürzung der Liegedauer?

HospiTOOL entstand aus dem Wunsch, mit einem elektronischen Tool zur Eintritts-Austrittsplanung die Dauer des Spitalaufenthalts sowie der Wiedereintritte zu reduzieren. Die Studienfrage, so Kutz, lautete dabei: Wie effektiv und sicher ist ein solches Planungsziel? In sieben Zentren (Kantone AG 4, BS 1, TG 1 und BE 1) wurden zwei Jahre lang über 27000 Notfall-Spitalaufenthalte erfasst und mit HospiTOOL-Interventionen begleitet. Die Vergleichsgruppe bestand aus 430.000 Hospitalisierungen, deren Daten das BAG zur Verfügung gestellt hatte. Die Studienpersonen waren mindesten 18 Jahre alt, multimorbid (mindesten zwei Diagnosen), der Mindestaufenthalt lag bei 24 Stunden.

Ein halber Spitaltag ist kostbar

Das Fazit: Die Liegedauer der mit dem Tool begleiteten Fälle wurde um 0,5 Tage verkürzt, bei gleicher Rate zu Wiedereintritt, Sterblichkeit und Verlegung. Das bedeutet, dass durch die Verkürzung kein Risiko oder gar Schaden entstanden ist. Hochgerechnet auf das Kosten-Nutzen-Verhältnis konnten auf 27.476 Hospitalisierungen 8243 Spitaltage pro Jahr eingespart werden.

Interprofessionelles Tool

HospiTOOL funktioniert nach dem interprofessionellen Prinzip: Jede Profession (Arzt, Pflege, Sozialdienst) ist von Anfang an involviert. Dies sei der entscheidende Unterschied zur herkömmlichen, linearen Praxis. Der Ressourcenbedarf wird bereits bei der Aufnahme prognostiziert, Verzögerungsfaktoren werden früh identifiziert. Jedes Team hat das Tool jederzeit zur Verfügung und führt Assessments durch. Die Involvierung der Patient:innen sei ein Schlüssel: Ein schlecht informierter Patient bedeute ein höheres Risiko der Wiederkehr, so Dr. Kutz.

HospiTOOL wurde inzwischen vom BAG als «good clinical Practise» eingestuft und wird auch in der Ausbildung eingesetzt.

Fokus auf Multimorbidität

Im Expertengespräch zwischen Dr. Kutz und Dr. Kathrin Behrens vom Kantonspital St. Gallen kamen interessante Aspekte zutage. Dr. Behrens wollte wissen, warum nur Notfall-Aufnahmen in die Studie einflossen. Bei selektivem Eintritt, so die Antwort, sei die Planung grundsätzlich einfacher, weil seltener eine Multimorbidität vorliege. Diese führe häufiger zur klassischen Notfallaufnahme, verbunden mit vielschichtigen Problemstellungen. Nachholbedarf für das HospiTool geben es noch bei der Erfassung von Rehakliniken, dies geschehe noch zu sehr auf analoger Ebene, so Dr. Kutz.

Ob Künstliche Intelligenz (KI) bereits eine Rolle spiele, wollte Dr. Behrens wissen. Dahin, so die Antwort, müsse die Entwicklung gehen. Es sei aber noch keine Lösung implementiert, hier stehe man noch am Anfang. Natürlich gab es auch Fragen zu den Kosten: Ob eine Orientierung nach DRG (Diagnose bezogene Fallgruppen) berücksichtigt sei? Dazu sagte Dr. Kutz, man habe bewusst vom DRG-Denken wegkommen wollen, hin zu stärkerem Fokus auf die Patient:innen. So könne man vor allem die psycho-sozialen Aspekte besser verwerten.

fmc Webinar Reihe Projektclub NFP 75 In Hospi Tool 

Offen für Inputs aus der Praxis

HospiTOOL sei in einer Basisversion erhältlich, sagte Dr. Kutz abschliessend. «Das Tool ist noch nicht «fertig» und ist primär nicht kommerziell gedacht». Vielmehr solle es als Basis zur Weiterentwicklung in der Praxis dienen. Er freue sich auf Kontakte und Inputs.

Das Schweizer Forum für Integrierte Versorgung (fmc) bedankt sich bei den Expert:innen für ihre wertvollen Beiträge.

Séverine Schusselé Filliettaz

Séverine Schusselé Filliettaz ist ausgebildete Krankenpflegerin und verfügt über einen Master Abschluss in Public Health, sowie einen Doktortitel zum Thema der Integrierten Versorgung in der Schweiz.

Seit etwa zehn Jahren leitet Schusselé Filliettaz in der Westschweiz integrierte Versorgungsprojekte zu verschiedenen Themen, u.a. Interprofessionalität, Versorgungsmanagement, Finanzierung, E-Patienten Dossier.

Sie arbeitet seit 2015 mit dem fmc zusammen u.a. für die Schweizerische Erhebung zur Integrierten Versorgung und für einzelnen fmc Denkstoffe

Ursula Koch

Mein Engagement für die integrierte biopsychosoziale Versorgung zieht sich wie ein roter Faden durch meinen Lebenslauf. Eine fragmentierte Versorgung wird den ganzheitlichen Bedürfnissen der Menschen und vielfältigen Komponenten von Gesundheit nicht gerecht. Eine wirksame und personenorientierte Versorgung setzt interprofessionelle Zusammenarbeit sowie gut koordiniertes Handeln voraus. Dafür setze ich mich ein!  

Ursula Koch, PhD, FSP Gesundheitspsychologie kennt das Gesundheitssystem aus Praxis, Wissenschaft und Politik.

Sie war in den letzten 15 Jahren in diversen Führungspositionen im Gesundheitswesen tätig, u.a. als Leiterin des Programms Psychische Gesundheit im Kanton Zug, als Abteilungsleiterin «Nicht übertragbare Erkrankungen» beim Bundesamt für Gesundheit sowie als Geschäftsleitungsmitglied bei der Krebsliga Schweiz.

Neben ihrem Master in Psychologie hat sie einen Master in Organisationsentwicklung & Coaching, eine Verbandsmanagement-Ausbildung sowie einen PhD in Versorgungsforschung.

Letztlich hat sie sich auch im Rahmen des «Harkness Fellowship in health care policy and practice» an der Harvard Medical School (USA) intensiv mit dem Gesundheitswesen auseinandergesetzt.

Neben dem fmc engagiert sie sich als Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Gesundheitspolitik (SGGP) und als Direktorin des Zentrum Inselhof in Zürich für eine patientenzentrierte Versorgung und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens.

Susanne Hochuli

Integrierte Versorgung ist zentral, damit der Patient, die Patientin tatsächlich im Zentrum der Gesundheitsversorgung steht.

Susanne Hochuli war während acht Jahren als Regierungsrätin im Kanton Aargau für das Departement Gesundheit und Soziales verantwortlich. In dieser Zeit vertrat sie den Aargau im Vorstand der Gesundheitsdirektorenkonferenz GDK und amtete als Vizepräsidentin des Beschlussorgans Hochspezialisierte Medizin HSM.

Sie ist aktuell als Präsidentin der Schweizerischen Patientenorganisation SPO sowie Greenpeace tätig und engagiert sich daneben beim ökosozialen Projekt weltweit-essen.ch.

Urs Hepp

Email: hepp@hin.ch
Linkedin: Urs Hepp

Die Integrierte Versorgung ist die Grundvoraussetzung für ein qualitativ hochstehendes und kosteneffizientes Gesundheits- und Sozialwesen. Polymorbidität und chronische Erkrankungen nehmen zu und da ist das Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend. Die Schnittstellen müssen zu Nahtstellen werden.

Urs Hepp ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. 2017 habilitierte er, seit 2014 ist er Titularprofessur an der Universität Zürich. 2016-2021 war er Ärztlicher Direktor der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland (ipw), zuvor Chefarzt / Mitglied der Geschäftsleitung der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG).

Seit 2022 ist er selbständig mit der Firma hepp-health GmbH mit den Schwerpunkten Public Mental Health, Integrierte Versorgung, Psyche und Arbeit sowie Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Er ist engagiert in Lehre und Forschung.

Er hat das Verwaltungsratspräsidium der WorkMed AG sowie verschiedene Aufsichtsratsmandate inne. Er ist Co-Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie und Psychosomatik (SSCLPP) und Vize-Präsident der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter NKVF.

Forschung: Versorgungsforschung, Public Mental Health, Suizidprävention

Lehrtätigkeit: Public Mental Health, Psychosoziale Medizin, Systemische Psychotherapie

Barbara Gysi

Barbara Gysi, Dipl. Sozialpädagogin & MAS Public Management, ist seit 2011 Nationalrätin und Vizepräsidentin der nationalrätlichen Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK-N). Sie hat massgeblich an der Pflegeinitiative mitgewirkt. Sie hat massgeblich an der Pflegeinitiative mitgewirkt.

Nebst Einsitz im St. Galler Kantonsrat war sie während 12 Jahren in der Exekutive der Stadt Wil SG, wo sie u.a. die stationäre und ambulante Langzeitpflege weiterentwickelte und gemeinsam mit anderen Gemeinden unter einem Dach zusammenführen und eine Beratungs- und Drehscheibe installieren konnte (www.thurvita.ch). Bereits als Sozialpädagogin und Sozialarbeiterin arbeitete sie mit systemischen Ansätzen. Die integrierte Versorgung ist ein wichtiges Element für eine qualitative bessere und erst noch günstigere Versorgung zum Nutzen der Patient:innen.

Caroline Gurtner

Patientinnen und Patienten bringen eine relevante Expertise im Umgang mit ihrer Erkrankung mit und können damit einen wichtigen Beitrag zur Lösungsfindung von Gesundheitsproblemen leisten. Die integrierte Versorgung nutzt diesen Ansatz und setzt sich für eine stärkere Beteiligung von Patientinnen und Patienten in der Gesundheitsversorgung ein.

Caroline Gurtner ist Gesundheits- und Pflegewissenschaftlerin und befindet sich derzeit im Doktoratsstudium an der Universität Maastricht, welches sie voraussichtlich 2024 abschliesst.

Sie bringt langjährige berufliche Erfahrung in der psychiatrischen Versorgung, in der angewandten Forschung und Lehre sowie  im Tätigkeitsbereich einer NGO mit Schwerpunkt Sozialpolitik mit.

Die Schwerpunkte ihrer Forschungs- und Lehrtätigkeit umfassen die Themen Shared Decision Making, Personenzentrierung, User Involvement, Partizipation, Community Building, Suizidprävention sowie Qualitätsentwicklung. Caroline Gurtner absolvierte ihr Masterstudium in Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Universität Basel und verfügt über einen CAS in Research in Applied Sciences der Berner Fachhochschule.

Im Rahmen ihrer selbständigen Tätigkeit engagiert sie sich als Co-Präsidentin der akademischen Fachgesellschaft psychiatrische Pflege, als Stiftungsrätin bei der Schweizerischen EPI Stiftung und übt verschiedene Mandate für Projekte, Lehrveranstaltungen sowie Mitarbeit in Gremien und Kommissionen aus.

Marc Cikes

Marc Cikes ist Mediziner und Absolvent zweier CAS in Gesundheitsökonomie und Gesundheitsmanagement des IEMS Lausanne.

Er war Leiter eines medizinischen Analyselabors, Mitbegründer des Medizinischen Zentrums in Renens und stellvertretender Geschäftsführer der waadtländischen Niederlassung des Ärztenetzes Delta. 

Er beteiligt sich seit mehreren Jahren an der Leitung von Projekten im ambulanten Sektor in der Westschweiz.

Serge Bignens

Serge Bignens ist Professor und Leiter des Instituts für Medizininformatik an der Berner Fachhochschule (BFH).

Seine Forschungs- und Lehreaktivitäten umfassen die Bereiche Befähigung von chronischen Patienten, Patient Reported Outcome Measures (PROMs), mobilen Gesundheits-Applikationen und Gesundheits-Datenökosysteme.

Er besitzt ein MSc in Engineering von der EPFL und ein MAS in Gesundheitsökonomie und -management von der Universität Lausanne und war bei IT Dienstleistungsfirmen als Berater und Manager und danach bei einer kantonalen Gesundheitsdirektion als eHealth Verantwortlicher tätig.

Serge Bignens engagiert sich als Vorstandsmitglied von Swiss Cancer Screening und der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik, ist Gründungsmitglied der MIDATA Genossenschaft und des Vereins ch++ und ist digital Health Experte bei Innosuisse und beim Fachgremium des BAG zur Prävention in der Gesundheitsversorgung.

Nadja Blanchard

Leiterin Marketing & Events

Seit ihrem Master im Bereich Gesellschaftswissenschaften war Nadja Blanchard im In- und Ausland in unterschiedlichen Firmen und Organisationen im Bereich Marketing, Events und Kommunikation tätig.

Diese Erfahrung hat sie in den letzten 10 Jahren durch die Beratung von Nonprofit-Organisation in den Bereichen Strategie und Marketing ergänzt.

Durch den Kontakt mit einer Vielzahl von Organisationen und deren aktuellen Herausforderungen in Themen wie Struktur, Personal und Finanzierung entstand ihr Interesse an der Arbeitswelt 4.0., zu der sie sich stetig weiterbildet. 

Oliver Strehle

Geschäftsführer

Oliver Strehle hat in Nürnberg/Deutschland Sozialwissenschaften studiert und ist 2006 in die Schweiz gezogen.

Knapp 13 Jahre war er bei der Ärztenetz Betriebsgesellschaft MedSolution AG in Zürich tätig und hat dort den Geschäftsbereich Vertrags und Leistungsmanagement geleitet. Während dieser Tätigkeit hat Herr Strehle die verschiedenen Bereiche der Ärztenetze von Budgetmitverantwortung, Behandlungsmanagement, Qualitätsmanagement, Versorgungstransparenz und Organisationsentwicklung kennengelernt und weiterentwickelt.

Bis 2020 war Herr Strehle 3 Jahre im Vorstand von medswiss.net, dem Dachverband der Schweizer Ärztenetze aktiv.

Seit 2017 ist er Verwaltungsratsmitglied der mediX bern AG und seit 2020 Inhaber der Beratungsfirma IKUmed.

Annamaria Müller

Präsidentin

Wir haben eins der teuersten, besten und gerechtesten Gesundheitssysteme der Welt. Trotzdem haben wir Mühe, eine durchgehende und zusammenhängende Gesundheitsversorgung anzubieten. Dies zu ändern, ist unser Ziel.

Nach Abschluss ihres VWL-Studiums an der Uni Bern arbeitete Annamaria Müller als freie Mitarbeiterin bei der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK), später als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich.

1997 wechselte sie als Bereichsleiterin Gesundheitsökonomie zurück zur GDK und wurde anschliessend stellvertretende Zentralsekretärin.

2002 wurde Frau Müller Generalsekretärin der FMH. Von 2009 bis 2019 arbeitete sie in der Gesundheits- und Fürsorgedirektion des Kantons Bern als Vorsteherin des Spitalamts.

Seit 2020 ist Frau Müller mit ihrer Firma Amidea GmbH – New Health Care Solutions freischaffend tätig. Sie übt verschiedene Aufsichtsratsmandate aus und hat das Verwaltungsratspräsidium des HFR freiburger spital inne.