Integrierte Versorgung: Neue Rollen von Bund, Kantone und Gemeinden

Das fmc-Symposium 2018 am 13. Juni in Bern beleuchtet die vielfältigen und teilweise konkurrierenden Rollen der öffentlichen Hand in der Gesundheitsversorgung: Regulator, Finanzierer, (Mit-)Besitzer von Spitälern oder Pflegeheimen. Gleichzeitig liefern Bund, Kantone und Gemeinden bemerkenswerte Innovationen, wie die folgenden Beiträge zeigen. 

Mitgestalten und Interessenkonflikte lösen

PD Dr. med. Peter Berchtold

Gesundheitsversorgung und öffentliche Hand: Da sind wir in der Schweiz grundsätzlich skeptisch, wittern rasch Staatsmedizin oder befürchten zumindest überbordende Bürokratie. Und in Zukunft?

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Bund, Kantone und Gemeinden sind in der Gesundheitsversorgung laufend mit Interessenkonflikten konfrontiert: hin- und hergerissen zwischen dem Wohlergehen der Bevölkerung und den vielfältigen, teils konkurrierenden Zuständigkeiten als Regulator, Finanzierer und (Mit-)Besitzer von Spitälern oder Pflegeheimen. Es erstaunt deshalb nicht, dass sie zunehmend an integrierten, bevölkerungsorientierten Versorgungskonzepten interessiert sind, denn diese können solche Interessenkonflikte reduzieren helfen.

Es ist davon auszugehen, dass sich Bund, Kantone und Gemeinden in Zukunft noch viel stärker für die bessere Vernetzung und Koordination der Versorgung einsetzen. Denn mit der Zunahme an hochaltrigen, multimorbiden, chronisch kranken Menschen entstehen viele und neue Abhängigkeiten zwischen dem Medizinisch-Pflegerischen und dem Sozialen.

Beispiel Langzeitpflege, für die in zahlreichen Kantonen die Gemeinden verantwortlich sind: Viele Gemeinden spannen zusammen und stimmen die ambulanten und stationären Angebote so aufeinander ab, dass die betroffenen Menschen möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung leben können. Das entspricht den Patientenbedürfnissen und dämpft in der Regel das Kostenwachstum. Und häufig werden für solche Überlegungen weitere Leistungserbringer wie niedergelassene Ärzte, Apotheker, das Spital (falls vorhanden), Fachorganisationen oder die eigenen Sozialdienste eingebunden.

Ein weiteres Beispiel ist die medizinische Grundversorgung, die heute ein wichtiger Standortfaktor ist, besonders in ländlichen Gebieten und seit vielerorts Hausarztpraxen ersatzlos schliessen. Einzelne Gemeinden greifen ganz direkt ins Geschehen ein, indem sie (finanzielle) Anreize schaffen für Praxisübergaben oder die Eröffnung einer neuen Praxis. Andere denken regional, holen andere Gemeinden sowie Leistungserbringer an einen Tisch und entwickeln neue Versorgungsmodelle, welche die Last auf mehrere Schultern verteilen (Spitalärzte, Apotheker, Pflegeexpertinnen etc.).

Das Nationale Symposium des fmc am 13. Juni 2018 im Kursaal Bern beschäftigt sich mit den künftigen Rollen von Bund, Kantonen und Gemeinden in der Integrierten Versorgung. Grundlage dafür bilden die Ergebnisse eines Forschungsmandats, welche das fmc letzten Herbst vergeben hat. Alle Informationen zum Symposium und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie auf www.fmc.ch.

Die Fallbeispiele in diesen fmc-Impulsen liefern einen Eindruck, wie vielfältig sich die öffentliche Hand heute schon in der Integrierten Versorgung engagiert. Morgen dürfte es noch vielfältiger sein.  

Mehr Koordination verspricht mehr Qualität und weniger Kosten

Lea von Wartburg, Projektleiterin Koordinierte Versorgung, Bundesamt für Gesundheit, lea.vonwartburg (at) bag.admin.ch

Die Koordination der Versorgung soll da verstärkt werden, wo es am meisten Nutzen bringt. Deshalb konzentriert sich der Bund bei seinen Aktivitäten auf ausgewählte Patientengruppen.

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Der Bundesrat hat sich zum Ziel gesetzt, das Kostenwachstum im Schweizer Gesundheitswesen zu dämpfen. Mit einem Kostendämpfungspaket soll dazu beigetragen werden, unnötige und vermeidbare medizinische Leistungen zu verhindern. «Koordinierte Versorgung stärken» ist eine der vorgeschlagenen Massnahmen [1]. 

Beim Bundesamt für Gesundheit BAG laufen verschiedene Aktivitäten, um diese Massnahme umzusetzen. Dabei besteht Konsens, dass die koordinierte Versorgung insbesondere für jene Patientengruppen verstärkt werden muss, die viele Leistungen von unterschiedlichen Leistungserbringern beanspruchen (sogenannt koordinationsintensive Patientinnen und Patienten). Bei dieser Gruppe wiegt der Nutzen einer verbesserten Koordination am höchsten:

  • eine bessere Qualität der Behandlung und Betreuung für die Patientinnen und Patienten,
  • Effizienzgewinne aufgrund einer besseren Zusammenarbeit von Gesundheitsfachpersonen verschiedener Berufsgruppen und Einrichtungen sowie Taskshifting,
  • Kosteneinsparungen aufgrund vermiedener Doppelspurigkeiten und unnötiger Behandlungen.

Verbesserung der Rahmenbedingungen

Das BAG hat 2015 das Projekt «Koordinierte Versorgung» lanciert. Es hat zum Ziel, die koordinierte Versorgung für ausgewählte Patientengruppen bzw. an spezifischen Schnittstellen zu verbessern. Auf der Grundlage verschiedener Studien und einer Befragung wurden drei Gruppen ausgewählt, die im Projekt «Koordinierte Versorgung» berücksichtigt werden sollten: (hoch-)betagte, multimorbide Patientinnen und Patienten; psychisch kranke Menschen mit gleichzeitig somatischer Erkrankung; Kinder und Jugendliche mit schwerwiegenden chronischen Krankheiten.

Massnahmen für die Patientengruppe «(Hoch-)betagte, multimorbide Patientinnen und Patienten» wurden bereits erfolgreich umgesetzt, zum Beispiel ein Rahmenkonzept mit Schwerpunkt «Advanced Care Planning» oder ein Bericht zur Planung und Koordination des Spitalaustritts [2]. Zurzeit läuft die Umsetzung der Massnahmen für die Patientengruppe «psychisch kranke Menschen mit gleichzeitig somatischer Erkrankung» [3].

Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, die Rahmenbedingungen für die koordinierte Versorgung zu überprüfen und allenfalls zu verbessern. Zu diesem Zweck wurde ein Handbuch zur Abgeltung von Leistungen im Rahmen der koordinierten Versorgung erstellt. Der Schwerpunkt dieses Handbuchs liegt auf den Schnittstellen zwischen der akutstationären Versorgung und den vor- und nachgelagerten Bereichen sowie auf den derzeit geltenden Abgeltungsmodalitäten. Mithilfe von elf Fallbeispielen werden Situationen beschrieben, in denen Unklarheiten bezüglich der Abgeltung an den Schnittstellen bestehen. Diese Fallbeispiele wurden juristisch beurteilt und mit einer Handlungsempfehlung zuhanden der Leistungserbringer und Kostenträger versehen [4].

Interprofessionelle Zusammenarbeit fördern

Die Arbeiten im Projekt «Koordinierte Versorgung» tragen dazu bei, die Koordination der Versorgung an spezifischen Schnittstellen zu verbessern. Jedoch führt dieses Vorgehen nicht dazu, übergeordnet eine verstärkte Koordination bei der Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsfachpersonen zu erreichen. Deshalb werden im BAG zusätzliche Überlegungen angestellt, wie man interprofessionelle Grundversorgungsstrukturen fördern könnte.

Im Fokus stehen auch hier (ältere) Personen mit (mehrfachen) chronischen Erkrankungen, die dauerhaft im Gesundheitssystem sind und viele Leistungen von verschiedenen Leistungserbringern beanspruchen. Ziel ist es, die Versorgungsstrukturen dahingehend weiterzuentwickeln, dass die Behandlung und Betreuung künftig nicht aus unabhängig voneinander erbrachten, einzelnen Behandlungsschritten oder Pflegeleistungen besteht, sondern als Gesamtleistung. Dazu braucht es verbindlichere Zusammenarbeitsformen der Gesundheitsfachpersonen.

Das BAG hat am 7. November 2017 zusammen mit dem «European Observatory on Health Systems and Policies» einen Policy Dialogue organisiert, um zu diskutieren, wie solche Modelle in der Schweiz aussehen und umgesetzt werden können. Ausgewählte Vertreterinnen und Vertreter der nationalen Gesundheitspolitik sowie Fachpersonen aus Lehre, Forschung und Verwaltung erörterten das Thema im Beisein von internationalen Expertinnen und Experten. Die Diskussion zeigte, dass dieser Vorschlag grundsätzlich positiv aufgenommen und als notwendig erachtet wird: Die interprofessionelle Zusammenarbeit und ein effizienter Einsatz von personellen Ressourcen (Taskshifting) können die Effizienz der Leistungserbringung verbessern. Doppelspurigkeiten und unerwünschte Hospitalisationen können vermieden und somit Kosten gedämpft werden.

www.bag.admin.ch/koordinierte-versorgung

Literatur 

  1. Kostendämpfungsmassnahmen zur Entlastung der obligatorischen Krankenpflegeversicherung. Bericht der Expertengruppe vom 24. August 2017 
    www.bag.admin.ch/bag/de/home/themen/versicherungen/krankenversicherung/kostendaempfung-kv.html
  2. Umgesetzte Massnahmen für die Patientengruppe (hoch-)betagte, multimorbide Menschen
  3. Schlapbach M., Ruflin R. (2017): Koordinierte Versorgung für psychisch erkrankte Personen an der Schnittstelle «Akutsomatik – Psychiatrie resp. psychiatrische Klinik». Situationsanalyse und Handlungsbedarf. Schlussbericht (PDF download)
  4. Giger M., Staffelbach D. (2018): Abgeltung von Leistungen im Rahmen der koordinierten Versorgung. Bericht (PDF Download) im Rahmen des Projekts «Koordinierte Versorgung» des Bundesamts für Gesundheit, Bern. 

Une promotion « innovante » de la santé à tous les âges de la vie en Valais

Dr rer. soc. Alexandre Dubuis, responsable communication, Promotion santé Valais, alexandre.dubuis@psvalais.ch

L’association Promotion santé Valais est un organisme de référence en matière de promotion de la santé et de prévention auprès de toutes les tranches d’âge de la population valaisanne.

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Née en 1951 sous le nom de la Ligue valaisanne pour la lutte contre la tuberculose, l’association s’est développée au fil du temps et a intégré progressivement d’autres thèmes prioritaires de santé. En 2010, elle change de dénomination au profit de Promotion santé Valais (PSV) qui traduit mieux son statut de réel partenaire en la matière, avec plusieurs mandats issus du Service cantonal de la santé publique. Promotion santé Valais est une association à but non lucratif reconnue d’utilité publique dont les financements proviennent principalement des prestations facturées aux assurances maladies et de soutiens cantonaux et fédéraux pour les activités de promotion de la santé.

Cette association a comme objectif de favoriser durablement la santé de l'ensemble de la population valaisanne dans une visée d'égalité des chances et à tous les âges de la vie. Dans cette optique, Promotion santé Valais regroupe quatre domaines d’activités : l’unité cantonale de santé scolaire, la Ligue pulmonaire Valaisanne, le centre de dépistage du cancer du sein, la promotion de la santé. L’attention va se porter uniquement sur ce dernier domaine. 

Un domaine pluriel, mais avec un objectif commun de santé publique 

Créé en 2016, le domaine « promotion de la santé » rassemble des secteurs qui travaillaient habituellement de manière autonome, ceci afin de favoriser les synergies entre les différents programmes ainsi que les collaborations dans une perspective multi-thématiques et depuis peu multi-addictions. Ce domaine regroupe plusieurs programmes cantonaux [1], différents secteurs [2] et d’autres programmes [3]. L’ensemble de ces activités visent à couvrir tous les âges de la vie, et tous les milieux sociaux afin de renforcer les compétences des acteurs dans les périodes de transition de vie : petite enfance, adolescence, vie active (santé au travail, grossesse, etc.), vieillesse ; ceci afin qu’elles et ils adoptent de saines habitudes de vie. Pour ce faire, Promotion santé Valais cherche à développer des outils innovants en utilisant les nouvelles technologies, comme par exemple avec le programme « J’arrête de fumer » via Facebook élaboré en 2015 par le CIPRET-Valais. Ce programme s’appuie sur les techniques du marketing social, pour inciter des fumeurs à cesser leur consommation tabagique, alors qu’ils n’en avaient pas forcément l’intention.

De même, le programme pédagogique #MOICMOI compatible avec le Plan d’Etudes romand (PER) a été développé par les cantons du Valais et du Jura. Ce programme se donne pour objectifs de favoriser pour les élèves du secondaire I l’acquisition d’attitudes et de comportements positifs à l’égard du corps, quel que soit leur format corporel. Il s’agit pour ces élèves notamment de modifier leurs croyances sur les déterminants du poids et de la physionomie, de développer ainsi des habiletés de résistance à la pression des pairs. Le programme forme également les professionnels travaillant avec ce public cible afin de leur donner des outils pour parler des questions d’apparence avec finesse et perspicacité.

Promotion santé Valais en constante évolution

Dans cette même perspective Promotion santé Valais vient de se voir confier par le Service de la santé publique le mandat de prévention des addictions dans les écoles. En réponse à cette demande, Promotion santé Valais est en train de développer une activité ludico-sérieuse bilingue de type escape room, au profit de la prévention multi-addictions dans le secondaire I. « L’Escape addictions» [4] cherche à susciter une réflexion sur différentes substances, consommations et addictions grâce à une approche de prévention expérientielle qui fera vivre aux élèves des situations qu’elles ou ils rencontrent ou qu’elles ou ils risquent de rencontrer dans leur quotidien, telles que la prise de risque ou l’influence des pairs, des médias et des réseaux sociaux. En termes de santé publique, les objectifs de ce projet sont de valoriser les non-consommateurs, de sensibiliser aux risques d’une consommation festive et de faciliter l’accès au réseau d’aide. Les actions multi-addictions de ce type s’inscrivent pleinement dans la vision transversale de la prévention recherchée par les stratégies nationales [5].

En conclusion, l’expérience de Promotion santé Valais montre, plus généralement, que des programmes liés à la santé peuvent utiliser de nouveaux canaux de communication tels que les réseaux sociaux et s’avérer efficaces, en touchant des personnes que des actions plus traditionnelles n’atteindraient pas. Elles mettent en évidence, la nécessité de non seulement s’appuyer sur des connaissances scientifiques, des best practices mais surtout d’innover, de travailler sur la transmission, sur la vulgarisation de ces connaissances, afin de rendre le plus efficient possible les messages de promotion de la santé. 

www.promotionsantevalais.ch

  1. Plateforme 60+, Programme cantonal de prévention du tabagisme, Programme cantonal bien dans ton corps alimentation mouvement
  2. Centre alimentation et Mouvement, Senso 5, CIPRET-Addictions, Antenne sida, Plateforme 60+
  3. Entreprise en santé, Commune en santé, Réseau d’écoles21, Prévention du Rejet des Minorités Sexuelles (PREMIS), femmesTISCHE
  4. Dénomination provisoire
  5. Santé 2020 et plus spécifiquement Prévention des maladies non transmissibles (MNT) et Addictions.

Brennpunkte Gesundheit Thurau: Innovationsmotor im kantonalen Gesundheitswesen

Dr. phil. Felix Helg, Projektleiter Brennpunkte Gesundheit Thurgau

Im Juni 2018 wird der zweite Innovationszyklus von Brennpunkte Gesundheit Thurgau mit einer Resonanztagung abgeschlossen. Zur Diskussion stehen drei Projekte, die das kantonale Gesundheitswesen verbessern sollen.

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Brennpunkte Gesundheit Thurgau ist eine Initiative, welche die Optimierung des Thurgauer Gesundheitswesens von der Basis her zum Ziel hat. Die Idee entstand vor etwa acht Jahren an einem Runden Tisch unter Leitung des damaligen Regierungsrats Bernhard Koch: Wichtige Player des Thurgauer Gesundheitswesens machten sich Gedanken, wie sich die zahlreichen Schnittstellen zwischen den Versorgungspartnern besser organisieren liessen. Aufgrund der guten Erfahrungen, die damals gemacht wurden, beschloss eine kleine Gruppe von Entscheidungsträger, den Gedankenaustausch in strukturierter Form weiterzuführen: die Idee des Innovationszyklus war geboren.

In einem Innovationszyklus werden jeweils drei Projektideen ausgewählt, in einem Konzept beschrieben und wenn möglich umgesetzt (Abbildung 1). Der Grundstein für diese Projekte wird an einer Open-Space-Konferenz gelegt. Über hundert Entscheidungsträger aus dem Thurgauer Gesundheitswesen bringen Ideen für Verbesserungen ein. Diese Ideen werden zu Projektskizzen verdichtet und am Schluss der Konferenz von den Teilnehmenden bewertet.

Abbildung 1: Übersicht über die bisherigen Projekte von Brennpunkte Gesundheit Thurgau

1. Zyklus 2013 - 2015

Projekt Status
«eMediplan»: liefert einen vollständigen, aktuellen und elektronisch geführten Überblick über die Medikationen eines Patienten oder einer Patientin Wird auf nationaler Ebene weiterverfolgt
«Was tun? - Umgang mit psychisch belasteten Menschen in Schule und Betrieb»: will Vorgesetzte und HR-Mitarbeiter für dieses Thema sensibilisieren Ist im Regelbetrieb und wird ein bis zwei Mai im Jahr mit Personalverantwortlichen und Linienvorgesetzten geschult
«Kantonale Grundversorgung: Wie kann dem drohenden Hausarztmangel begegnet werden?»: widmet sich einem schweizweit aktuellen Thema Wird im 2. Zyklus im Projekt «Hausärztliche Grundversorgung» vertieft und konkretisiert

 

 

 

 

 

 

 


2. Zyklus 2016 - 2018

Projekt Status
«Koordination Öffentlichkeitsarbeit»: will einen niederschwelligen Zugang zu Angeboten im Sozial- und Gesundheitsbereich ermöglichen Entscheid über Umsetzung im Herbst 2018
«Sicherstellung der hausärztlichen Grundversorgung in Gemeinden»: sucht konkrete Lösungen für dieses akute Problem Das Konzept für eine Anlaufstelle für Gemeinden und Hausärzte ist erstellt, eine Trägerschaft gefunden.
«Gewalt in jugendlichen Liebesbeziehungen»: thematisiert sexuelle, physische und psychische Gewalt in jugendlichen Liebesbeziehungen Steht ab sofort den Berufs- und Mittelschulen im Kanton Thurgau zur Verfügung

 

 

 

 

 

 

Zentrales Gremium von Brennpunkte Gesundheit Thurgau ist eine siebenköpfige Steuergruppe, die aus Vertretern von wichtigen Leistungserbringern im Thurgauer Gesundheitswesen zusammengesetzt ist. Diese Steuergruppe wählt aus den Projektskizzen drei Ideen aus. Die fünf Kriterien für die Auswahl sind: Resonanz der Vorschläge an der Tagung, Patientennutzen, Innovationscharakter, Interdisziplinarität und Umsetzbarkeit. Die Steuergruppe begleitet, unterstützt und kontrolliert die ausgewählten Projekte bis zum Abschluss der Konzeption und evtl. bis zur Umsetzung.

Im Kleinen wie im Grossen denken

Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, einerseits Projekte mit einem klar begrenzten Fokus auszuwählen, daneben aber auch Ideen zu unterstützen, die weiter gesteckte Ziele anstreben. Ein Beispiel für die zweite Kategorie ist der eMediplan: Das Projekt umfasst einen vollständigen, aktuellen, elektronisch geführten Medikamentenplan und wurde zusammen mit Hausärzten, Apothekern, Pflegendem aus Spitex und Pflegeheimen sowie dem Spital konzipiert. Anschliessend konnte das Projekt an eine nationale Trägerschaft – den Verein IG eMediplan – übergeben werden. Dieser stellt die Kontakte zu den Softwarehäusern, zum BAG und zu eHealth Suisse her. Die breite Umsetzung in verschiedenen Regionen, allen voran in den Kantonen Thurgau und Zug, steht unmittelbar bevor.

Ein Beispiel für ein Projekt mit einem engeren Fokus ist «Was tun? - Umgang mit psychisch belasteten Menschen in Schule und Betrieb». Dieses wurde im Rahmen von Brennpunkte Gesundheit Thurgau konzipiert und praktisch erprobt. Es wird nun ein bis zwei Mal im Jahr durch Perspektive Thurgau als Schulungsmodul für Personalverantwortliche und Linienvorgesetzte genutzt.

Keine staatliche Parallelstruktur

Das kantonale Departement für Finanzen und Soziales übernimmt die Honorare der Gesamtprojektleitung und der Teilprojektleitungen sowie die Kosten der Tagungen. Einzelne Organisationen unterstützen das Projekt als Gönner. Für die Entwicklung der Konzepte delegieren interessierte Organisationen Mitarbeitende, die ihren Beitrag im Rahmen ihrer regulären Anstellung erbringen. Damit ist sichergestellt, dass wir keine staatliche Parallelstruktur aufbauen, sondern einen kostengünstigen Weg beschreiten, um unser Gesundheitswesen bottom up zu optimieren. Brennpunkte Gesundheit Thurgau lebt so lange, wie es von den Organisationen im kantonalen Gesundheitswesen ideell und tatkräftig unterstützt wird.

Wir haben bewusst darauf verzichtet, das Projekt in die kantonale Verwaltung zu integrieren, weil wir davon überzeugt sind, dass Innovationen am besten in einem offenen, flexiblen Rahmen gedeihen, der zu Experimenten ermutigt und dadurch unkonventionelle Lösungen ermöglicht.

www.brennpunkte-gesundheit.tg.ch

PRISM : soutenir la transformation du système de santé

Séverine Schusselé Filliettaz, Infirmière/MSc, Association PRISM – Promotion des réseaux intégrés des soins aux malades,
severine.schussele (at) prism-ge.ch ; Dr méd. Nicolas Perone, nicolas.perone (at) prism-ge.ch

La fragmentation de notre système de santé est un défi pour répondre aux besoins complexes des patient-e-s. Or, les professionnel-le-s ont des propositions pour y répondre, que PRISM contribue à concrétiser, en partenariat avec les acteurs du système de santé.

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Différents facteurs, démographiques, économiques, sociologiques, etc. rendent difficile la prise en charge des patient-e-s complexes. Pour répondre de façon holistique à l’ensemble de leurs caractéristiques (par ex : polymorbidité, chronicité, difficultés socio-économiques, isolement social, épuisement des proches, multiples intervenants), il est indispensable que notre système de santé évolue vers plus d’intégration des soins, en se concentrant sur quatre axes : a) travail en équipe interprofessionnelle, b) clarification des rôles des patient-e-s, des proches et des professionnels, c) nouveaux moyens de communication, et d) systèmes de remboursement alternatifs.

Créée en 2009, l’Association PRISM vise à soutenir l’intégration des soins pour les malades présentant des besoins complexes par la mise en place d’une équipe composée du patient, de ses proches et des professionnels de la santé. Cette équipe interprofessionnelle est caractérisée par des processus interactifs (réunions de planification des soins, mise en place d’un plan commun de prise en charge) et dynamiques (suivi coordonné, outils informatiques partagés). Ils favorisent l’autonomie des patient-e-s et les aident à atteindre des résultats de santé optimaux. Ils ne sont cependant possibles que dans un système de santé qui facilite ces processus [1].

Soutenue par des fonds privés, PRISM est une association sans but lucratif, qui se compose d’un comité de sept personnes provenant de différentes institutions genevoises (Hôpitaux Universitaires, Cité générations, Institution de maintien à domicile, Faculté de médecine, Association des médecins) et de deux employés. Sa structure lui permet de prendre en compte toutes les perspectives des acteurs du système de santé.

Des partenariats pour faciliter durablement la diffusion de l’innovation

L’approche de PRISM est essentiellement catalysatrice : PRISM ne suit pas de patient mais travaille en partenariat avec différentes organisations ou professionnels. Ces partenariats créent des dynamiques de diffusion de l’innovation [2] basées sur l’addition des compétences de terrain, de santé publique, et de gestion du changement.

Ces partenariats sont formalisés de différentes manières, par ex. avec une convention pour le Projet cantonal avec la Direction générale de la santé, des accords de co-financements pour le développement d’outils informatiques ou pour des postes de coordination des soins.

Faire des liens entre le terrain et le système

Les méthodes de PRISM s’inspirent de la recherche-action [1],
selon une approche cyclique :

  1. Approche bottom-up : les obstacles et les facilitateurs à l’implantation de la prises en charge interprofessionnelle des patient-e-s avec besoins complexes sont identifiés dans différents contextes ;
  2. Approche top-down : l’analyse systémique de ces éléments, puis la co-construction de solutions macroscopiques avec d’autres partenaires (ex : autorités, financeurs, législateurs, formateurs, informaticiens), permettent ensuite de retourner ajuster ces solutions localement dans les différents contextes (Figure 1).

Figure 1. Vers un changement du système de santé pour plus d’intégration des soins : PRISM & ses partenaires

Des résultats

Ces méthodes itératives nécessitent des indicateurs de suivi en constante évolution, à même de révéler les avancées obtenues (ex : institutionnalisation des nouvelles pratiques d’intégration des soins, outils informatiques développés comme le plan de soins partagé [3] ), tout comme les obstacles encore présents.

La spécificité de PRISM consiste à valoriser les bonnes pratiques et les initiatives existantes, à les renforcer ou à les ajuster en partenariat avec les institutions et les professionnels de Genève, afin de les rendre durables dans le système de santé.

www.prism-ge.ch

Littérature

  1. Perone N, Schusselé Filliettaz S, Budan F, Schaller P, Balavoine J-F, Waldvogel F. Concrétiser la prise en charge interdisciplinaire ambulatoire de la complexité. Rev Fr Santé Publique. 2015;27(S1):77–86.
  2. Greenhalgh T, Robert G, Macfarlane F, Bate P, Kyriakidou O. Diffusion of innovations in service organizations: systematic review and recommendations. Milbank Q. 2004 Dec;82(4):581–629.
  3. Schusselé Filliettaz S, Marjollet L, Perone N, Budan F, Rosemberg A. Le Plan de Soins Partagé informatisé. Soins Infirm. 2016;(10):72–3.

Gesundes Freiamt: Der Mensch im Mittelpunkt, nicht Krankheiten

Hans-Peter Budmiger, Gemeindepräsident Muri/AG, und die Fachgruppe Alter und Gesundheit

«Handeln, bevor über die Gemeinden hinweg gehandelt wird», war die Devise im Oberen Freiamt. Seither entwickelt sich im südlichsten Teil des Kantons Aargau eine Gesundheitsregion, die möglichst viele Versorgungspartner und die Bevölkerung einbeziehen will.

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2008 trat im Aargau das neue Pflegegesetz in Kraft. Seither sind die Gemeinden für die ambulante und stationäre Langzeitpflege verantwortlich. Im Oberen Freiamt, ein Bezirk mit 19 Gemeinden, 36'000 Einwohnern und einem Spital, war man sich rasch bewusst, dass Handlungsbedarf besteht und die Zusammenarbeit in der Region verstärkt werden muss. Schon 2009 fand das erste Altersforum statt, eine Versammlung von allen wichtigen Partnern im Altersbereich. Und der Regionalplanungsverband, dem alle Gemeinden angehören, setzte die Fachgruppe Alter ein.

Im März 2016 folgte der nächste Schritt: die Vision «Gesundes Freiamt», ein regionales, bevölkerungsorientiertes Versorgungskonzept (Abbildung 1). Die zentrale Überlegung dahinter: Die wichtigste Voraussetzung, um Fachpersonen und deren Angebote besser zu vernetzen, ist gegenseitiges Vertrauen. Dieses Vertrauen wiederum ist in aller Regel dort am grössten, wo sich Menschen persönlich kennen: in der Region. Zudem verlangt die starke Zunahme an (hoch-) betagten, chronisch kranken, multimorbiden Patienten nach einer Neuorientierung des Versorgungssytems: der Mensch (und sein Umfeld) im Fokus statt Diagnosen/Krankheiten; dauerhafte Betreuung statt nur Akutversorgung; interprofessionelle Teams statt Arztzentrierung; verbindliche Vernetzung der Versorgungspartner (inklusive eHealth); starker Einbezug der Patienten; Verbindung des Medizinisch-Pflegerischem mit dem Sozialen.

Abbildung 1: Die Vision «Gesundes Freiamt» umfasst die ganze Bevölkerung (Gesunde, Risikogruppen, Patienten), die ganze Versorgungskette (von Selbstsorge bis Palliative Care) und möglichst viele Versorgungspartner (medizinisch-pflegerische, soziale, finanzielle, politische).

 

Die Vision «Gesundes Freiamt» umfasst folgende Dimensionen:

  • Bevölkerungsorientiert
  • Wohnortnah
  • Konsequente Vernetzung (inklusive eHealth)
  • Bedarfs- und bedürfnisgerechte Angebote
  • Medizinisches und Soziales Hand in Hand
  • Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention
  • Befähigung der Patienten/Betroffenen
  • Effizient und kosteneffektiv
  • Klare Struktur

Im Interesse aller – Vorteile für alle

Auf diese Weise sollen die Qualität wie auch die Effizienz der Behandlungen und Betreuung erhöht werden, namentlich bei Menschen in komplexen Situationen. Ausserdem sollen die Patienten zu jeder Zeit am richtigen Ort sein und (mehr) Eigenverantwortung wahrnehmen. Und Fachpersonen sollen motiviert sein, primär in der Region zu arbeiten. Schliesslich erhofft man sich vom «Gesunden Freiamt» Standortvorteile im Wettbewerb der Regionen.

In der Folge wurde die Fachgruppe Alter mit mehreren Vertretern von Leistungserbringern ergänzt und in Fachgruppe Alter und Gesundheit umbenannt. Deren Mitglieder arbeiten zulasten ihrer Arbeitgeber; die Projekte sind im Grundsatz eigenfinanziert.

Mittlerweile sind zwei Projekte im Gange: Das eine («daHeim») bezweckt, dass die fünf Pflegeheime in der Region ihre Angebote aufeinander abstimmen und Qualitätskriterien erfüllen, die gemeinsam erarbeitet wurden. Das andere («Drehscheibe Gesundes Freiamt») ist eine Informations-, Beratungs- und Triage-Stelle für Menschen aller Generationen, die Fragen haben zur Begleitung im häuslichen Umfeld und zur Pflege im Alter. Damit soll gewährleistet sein, dass pflege- oder betreuungsbedürftige Menschen jederzeit am geeigneten Ort sind. Gleichzeitig trägt die Drehscheibe dazu bei, dass die einzelnen Fachpersonen und Organisationen optimal zusammenarbeiten und ihre Leistungen aufeinander abstimmen.

Im August 2017 trafen sich gut 50 Personen aus der Region zu einer Zukunftswerkstatt, an der die Grundlagen für die Weiterentwicklung des Gesunden Freiamts erarbeitet wurden. Daraus ergab sich der Massnahmenplan 2018-20 mit drei Handlungsfeldern:

  • Handlungsfeld 1: Drehscheibe Gesundes Freiamt. Ziel: Ihre Dienstleistungen sind bei allen Zielgruppen bekannt und werden entsprechend genutzt. Die Finanzierung ist gesichert. 
  • Handlungsfeld 2: Bevölkerung im Oberen Freiamt. Ziel: Sie nutzt die Angebote des Gesunden Freiamts (z.B. Aktion «xond und boschper») und/oder engagiert sich dafür (z.B. Freiwilligenarbeit).
  • Handlungsfeld 3: Wohnen im Alter. Ziel: Im Oberen Freiamt entsteht eine Wohnform für Menschen über 60 mit Modellcharakter.

Auf dem Radar des Bundesamts für Gesundheit

Es gehört zu den Grundsätzen des «Gesunden Freiamts», dass sich die Aktivitäten nach den personellen und finanziellen Ressourcen richten, das heisst, die Vision wird bedacht und sorgfältig aufgebaut. Damit ist am ehesten gewährleistet, dass alle Partner an Bord bleiben.

Regionale, bevölkerungsorientierte Versorgungsmodelle wie das «Gesunde Freiamt» sind auch beim Bundesamt für Gesundheit auf dem Radar. Denn solche Modelle sind vielerorts in der Schweiz am Entstehen, zum Beispiel www.xunds-grauholz.ch oder www.healthyemmental.ch. Und der Kanton Waadt ist seit zehn Jahre in Réseaux de Santé aufgeteilt (www.reseaux-sante-vaud.ch).

Das enorme Potenzial solcher Gesundheitsregionen zeigt sich im «Gesunden Freiamt» mit einem Blick ins Jahr 2025:

  • Es besteht ein eigenständiges Versicherungsmodell «Gesundes Freiamt». 12 Versicherer bieten dieses an und decken damit 90 Prozent der Bevölkerung ab. 
  • Für 500 Franken (einmalig) gehört man zur Genossenschaft Gesundes Freiamt und profitiert von Vergünstigungen bei über hundert Veranstaltungen, hauptsächlich Kurse und Vorträge.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung hat ein elektronisches Patientendossier.
  • Das Projekt «Integrierte Geriatrie Freiamt» läuft im dritten Jahr und hat einen Leistungsauftrag des Kantons. Träger ist eine Betriebsgesellschaft, gegründet von den beteiligten Leistungserbringern.
  • Sämtliche Hausärzte beteiligen sich am Programm «Gemeinsam für Ihre Gesundheit»: Sie binden Patienten systematisch in Therapie-Entscheide ein, fördern die virtuelle Begleitung der Therapie (Telemonitoring) und unterstützen die Betreuung zu Hause (Home Care).
  • Wer seine Bewegungskilometer (zu Fuss oder per Velo) mit einer Smartwatch erfasst, profitiert von Rabatten bei Partner-Firmen des Gesundes Freiamts.
  • Freiwilligenarbeit wird mit Zeitgutschriften belohnt, die später für die eigene Betreuung eingesetzt werden können.
  • 68 Firmen und Gemeindeverwaltungen mit 1900 Mitarbeitenden sind im Forum Betriebliches Gesundheitsmanagement Freiamt vereint.
  • Der Schweizerische Gemeindeverband zeichnet das Integrations-Programm «Sprache und Arbeit bauen Brücken» aus, das vor vier Jahren im Oberen Freiamt gestartet ist.
  • In der Schweiz bestehen inzwischen 18 Gesundheitsregionen für 1.6 Millionen Menschen, drei davon im Aargau.

www.gesundes-freiamt.ch