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Ausgabe 2017/4 Integrierte Versorgung am Lebensende

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Zu Hause sterben dank mobilen Care Teams – und wer zahlt?

Monika Obrist MSc, Präsidentin palliative ch, Geschäftsleiterin palliative zh+sh


Dass die meisten Menschen am liebsten in ihrer vertrauten Umgebung sterben möchten, ist nachvollziehbar und unbestritten. Ebenso unbestritten ist, dass es kompetente Fachpersonen braucht, die bei Krisen sofort zur Stelle sind. Doch die Finanzierung solcher Leistungen bleibt ein Kampf.


Monika Obrist

In den meisten Kantonen gibt es nach wie vor Versorgungslücken in der Palliative Care. Besonders in der Hospizversorgung und im ambulanten Bereich, wenn Krisen auftreten, die durch die Hausärzte oder die Spitex nicht bewältigt werden können, fehlt es an angemessener Versorgung.

Gegen 40 Prozent der Menschen werden am Lebensende notfallmässig in ein Spital eingewiesen, obwohl 70 Prozent der Bevölkerung die letzte Lebenszeit zu Hause verbringen und auch zu Hause sterben möchten. Sie werden für ihre letzten Lebenstage in eine Notfallstation oder – wenn sie länger leben – in ein Pflegeheim eingewiesen, weil z.B. Schmerzen oder Verwirrung zur Überforderung der Hausärzte, der Spitex und/oder der Angehörigen geführt haben. Eine solche Hektik und eine Verlegung in eine fremde Umgebung wünscht sich am Lebensende niemand.

Das Spital zu Hause

Es müsste nicht so laufen. Es gibt für diese Situationen vielversprechende integrierte Versorgungsmodelle. Spezialisierte Palliative-Care-Konsiliarteams können punktuell und subsidiär zu Hause oder in Pflegeheimen zum Einsatz kommen. Diese interprofessionellen Teams bringen das Spital – und damit das Spezialwissen, Medikamente und Geräte zur Linderung von peinigenden Symptomen – nach Hause oder ins Pflegeheim. Ebenso die Beratungskompetenz zur vorausschauenden Behandlungsplanung.

Es ist eine kleine Patientengruppe, die eine solche spezialisierte Behandlung benötigt oder bei deren Bezugspersonen die Belastungsgrenze erkennbar überschritten wird. Diese Patienten stellen besondere Anforderungen an die Versorgungsstrukturen, an die notwendigen Palliative-Care-Leistungen und an die Kompetenzen von Fachpersonen (1).

Eine intensive Analyse der weltweit verfügbaren Strukturmodelle in der Palliative Care ist die Grundlage des Dokuments «Versorgungsstrukturen für spezialisierte Palliative Care»(2). Internationale Studien, aber auch Analysen aus der Schweiz zeigen, dass durch die Integration von spezialisierten Teams die Anzahl der Notfallhospitalisationen am Lebensende fast halbiert werden kann, dass fast dreimal mehr Menschen am gewünschten Ort (nämlich v.a. zu Hause) sterben können, dass Leiden rascher und wirksamer behandelt werden kann und erst noch signifikante Kosteneinsparungen erzielt werden.

Kantone und Gemeinden als Kostenträger

In jedem Kanton gibt es solche spezialisierten Palliative-Care-Teams. Sie nennen sich Brückendienst, spitalexterne Palliativ- und Onkologiepflege, mobiler Palliativdienst, associazione hospice oder équipe mobile de soins palliatifs. Im Kanton Zürich haben sich fünf solche Teams zum Verband Spezialisierter Palliative Care SPaC (www.spac.ch) zusammengeschlossen. Gemeinsam ist allen Teams (ausser jenen in der Romandie und im Tessin): Sie müssen für eine kostendeckende Finanzierung ihrer unverzichtbaren Leistungen kämpfen. Diese ist leider (noch) nicht gewährleistet.

2015 erschien der Bericht «Mobile Palliative-Care-Dienste in der Schweiz – Eine Bestandesaufnahme aus der Perspektive dieser Anbieter» (3) der Hochschule Luzern: Der Bericht zeigt die fehlenden Finanzierung sowie mögliche Lösungsansätze auf. Diese könnten in einer vernünftigen Kostenteilung zwischen Kanton und Gemeinden bestehen. Es ist ein zentrales Anliegen von palliative ch, dass in allen Kantonen in naher Zukunft gute Finanzierungslösungen diskutiert und gefunden werden, damit Menschen, die zu Hause sterben wollen, auch in schwierigen Situationen eine gute integrierte Palliative Care erhalten.

Legende:

  1. Bundesamt für Gesundheit BAG, Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren GDK und palliative ch (2014): Rahmenkonzept Palliative Care Schweiz. Eine definitorische Grundlage für die Umsetzung der «Nationalen Strategie Palliative Care». Version vom 15. Juli 2014. Bern. www.bag.admin.ch/palliativecare > Grundlagen > Rahmenkonzept

  2. Bundesamt für Gesundheit (BAG), palliative ch und Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK): Versorgungsstrukturen für spezialisierte Palliative Care. Herausgeber: BAG, palliative ch und GDK. Publikationszeitpunkt: August 2012. Aktualisierte Version: Dezember 2014. Autoren: Steffen Eychmüller (palliative ch); Pia Coppex (GDK); Lea von Wartburg (BAG)

  3. «Mobile Palliative-Care-Dienste in der Schweiz –Eine Bestandesaufnahme aus der Perspektive dieser Anbieter.» Der Bericht wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) verfasst durch Dr. Matthias Wächter, Co-Leiter Forschungsprogramm Öffentliches Gesundheitsmanagement, IBR, HSLU – Wirtschaft, und Angela Bommer, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, IBR, HSLU – Wirtschaft.

 

 

 




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