Integrierte Versorgung aus der Sicht der Pflege – ein Beispiel aus dem Kanton Solothurn

Gudrun Hochberger, Direktorin Pflege der Solothurner Spitäler AG (soH)


Das Solothurner SHS Netzwerk (Spitex-Heime-soH) hat innerhalb weniger Jahre Strukturen geschaffen, die eine klare Qualitätssteigerung in der pflegerischen Betreuungskette bewirkten. Eine der Initiantinnen berichtet.


Der Nationalrat definierte am 16. Juni 2010 Integrierte Versorgung wie folgt: «Eine Gruppe von Leistungserbringern, die sich zum Zweck einer Koordination der medizinischen Versorgung zusammenschliesst, bildet ein integriertes Versorgungsnetz. In einem integrierten Versorgungsnetz wird der Behandlungsprozess der verschiedenen Personen über die ganze Behandlungskette hinweg gesteuert (…).» Was heisst das nun für die Pflegefachpersonen?

Die Solothurner Spitäler AG, kurz soH, betreibt 3 Akutspitäler (Solothurn, Olten und Dornach) sowie eine Psychiatrische Klinik in Solothurn und diverse ambulante Zentren im gesamten Kanton. Wir behandeln jährlich in der Somatik rund 26‘000 stationäre und 142‘000 ambulante Patienten. Geografisch teilen wir unsere Standorte in die Regionen Ost, West und Nord ein.

Jede Region arbeitete auch schon früher eng mit den verschieden Spitex-Organisationen und Pflegeheimen zusammen, allerdings weniger koordiniert, nicht systematisch und vor allem nicht strategisch. Wer den Kanton Solothurn kennt, weiss, wie verwinkelt und ländlich geprägt er ist. 39 Spitexorganisation sind im Spitexverband Kanton Solothurn (SVKS) vereint, die privaten Anbieter nicht inbegriffen. 52 Pflegeheime werden durch die Gemeinschaft der Solothurner Alters- und Pflegeheime (GSA) vertreten. Aus diesen Schnittstellen sollten Nahtstellen werden, so mein Ziel.

In einem ersten Schritt gründeten wir eine Strategiegruppe, bestehend aus Personen mit Entscheidungskompetenz aus dem SVKS, der GSA, des Amtes für soziale Sicherheit (ASO) des Kantons, der Solothurner Hausärzte und aus der soH. Der Name SHS Netzwerk (Spitex-Heime-soH) wurde geboren.

Managed Care war damals, 2010, noch nicht in aller Munde. Die Treffen der SHS Netzwerkgruppe wurden mittels eines Zeitplans so festgesetzt, dass Anliegen aus den Regionen in der Strategiegruppe aufgenommen werden können und umgekehrt (siehe Abb. 1).

In den ersten beiden Jahren nach der Gründung tagte die SHS Strategiegruppe häufig. Es wurde ein wichtiger Prozess in Gang gesetzt, um unsere gemeinsamen Anliegen zu erkennen, zu benennen, zu priorisieren und um der operativen Ebene konkrete Aufträge erteilen zu können. Als erstes bearbeiten wir die Kommunikationswege zwischen den verschiedenen Akteuren im Patientenprozess. Im Anschluss daran wurden Handlungsfelder definiert, deren Bearbeitung z.T. noch heute im Gange ist.

Im Handlungsfeld «Lernortkooperation» wurde ein Leitfaden zur gemeinsamen Ausbildung erstellt und erst vor wenigen Wochen den Institutionen zur Verfügung gestellt. Wir können die Qualität der Patientenbetreuung nur dann auf hohem Niveau halten, wenn wir auch das entsprechende Fachpersonal dafür rekrutieren können.

Im Handlungsfeld «Übergaberapport» wird zurzeit ein einheitlicher Standard zur Übergabe Pflegeheim – Spital und umgekehrt erarbeitet. Zwischen der Spitex und der soH besteht bereits ein einheitliches Prozedere. Vorher war sehr individuell geprägt, welche Daten den Patienten begleiten. Dies reichte von Kopien der gesamten Patientenakte bis zu einem kleinen «Fresszettel».

Auf Anregung der SHS Strategiegruppe hat die Gemeinschaft für Alters- und Pflegeheime ein einheitliches Anmeldeformular für den Übertritt in das Pflegeheim entwickelt. Bis anhin mussten sich Sozialberaterinnen der soH 52 unterschiedliche Formulare ausfüllen – jedes Heim hatte ein anderes. Die Vereinheitlichung vereinfacht und professionalisiert die Anmeldung massgeblich. Die erste Datenübermittlung konzentriert sich auf die wesentlichen Punkte und spart so wertvolle Ressourcen auf beiden Seiten.

Im Handlungsfeld «Vertragsheim» befassen wir uns mit Zusammenarbeitsformen zwischen der soH und einem oder zwei Pflegeheimen pro Region. Das Ziel ist, dass diese ausgewählten Häuser die soH Patienten temporär aufnehmen und die Patienten dort warten können, bis ein Platz im Heim ihrer Wahl frei wird. Zur Zeit besteht die unbefriedigende Situation, dass es in den Spitälern immer wieder zu Rückstaus kommt und Akutbetten mit postakuten Fällen belegt werden müssen.

Fazit: Die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerkes wird immer selbstverständlicher. Nicht nur der Name SHS Netzwerk ist in gewissen Kreisen bereits ein fester Begriff. Es kommen auch immer öfter Fragen und Anliegen mit der Bitte, diese innerhalb des Netzwerkes zu diskutieren bzw. Lösungen zu erarbeiten. Die neu geschaffenen Strukturen dienen klar der Qualitätssteigerung in der pflegerischen Betreuungskette. Sie werden uns bei der Koordination der zunehmenden Komplexität und Verdichtung im Gesundheitswesen helfen.




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