CareNet+ – die Zukunft vorweggenommen

Thomas Rüfenacht, Projektleiter CareNet+, Mitglied der Geschäftsleitung Pro Senectute Kanton Zürich


Bei Menschen in komplexen Betreuungssituationen vermischt sich das Medizinisch-Pflegerische zunehmend mit dem Sozialen. Genau dieser Koordination nimmt sich das Projekt CareNet+ an, das seit Februar 2016 im zürcherischen Knonaueramt umgesetzt wird.


Thomas Rüfenacht

Aufgrund der demografischen Entwicklung gibt es immer mehr ältere und hochbetagte Menschen. Damit steigt die Nachfrage nach Leistungen in den Bereichen Medizin, Pflege und Soziales. Diese Fachstellen sind erfahrungsgemäss nicht genügend aufeinander abgestimmt; einzelne Leistungen werden oft isoliert erbracht. 

CareNet+ richtet sich an Menschen über 50 in komplexen Lebens- und Gesundheitssituationen. Das Koordinationszentrum für Gesundheit und Soziales versteht sich als unabhängige und neutrale Stelle, die keine eigenen Interessen vertritt. Ergänzend zur bestehenden Struktur versuchen wir durch gezielte Koordination die gemeinsam mit allen Beteiligten getroffenen Massnahmen bestmöglich aufeinander abzustimmen und damit den Einsatz der personellen und finanziellen Mittel zu optimieren.

Mit viel Überzeugungsarbeit auf neuen Wegen

Trägerin von CareNet+ ist die private Stiftung Pro Senectute Kanton Zürich. Es gibt zudem eine breit abgestützte Projektsteuerungsgruppe mit Vertreterinnen und Vertretern wichtiger Organisationen im Knonaueramt. Finanziert und unterstützt wird das Projekt von verschiedenen Stiftungen, von den Gemeinden im Bezirk Affoltern, vom Bund, vom Kanton Zürich sowie vom Lotteriefonds des Kantons Zürich.

Mehr als ein Dutzend Fälle wurden seit Projektbeginn begleitet. Es war teilweise schwierig, die Betroffenen für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Wir haben Fälle erlebt, wo viel Überzeugungsarbeit zu leisten war, bis Patienten oder Angehörige zugestimmt haben, ihre Daten freizugeben und den Auftrag mit ihrer Unterschrift zu erteilen. Dies ist zwingend nötig, damit CareNet+ aktiv werden und den Auftrag erfüllen kann.

CareNet+ konnte wichtige Akteure der Altersarbeit aktiv ins Pilotprojekt einbinden. Sie begrüssen, dass mit dem Projekt neue Wege beschritten werden, gleichzeitig mussten sich alle Beteiligten an neue Vorgehensweisen gewöhnen. Viele sind es sich nicht gewohnt, an einer Besprechung gemeinsam mit anderen Fachpersonen teilzunehmen und gemeinsam Entscheide zu fällen. Eine zentrale Rolle spielen auch die Krankenkassen. Sie entscheiden über die Finanzierung von beschlossenen Massnahmen und müssen bei der Fallsteuerung zwingend dabei sein. Mit der SWICA und der CSS sind zwei von ihnen im Pilotprojekt vertreten.

Fallkonferenzen als Schlüsselelement

Wenn viele verschiedene Fachleute an der medizinischen, pflegerischen und sozialen Versorgung beteiligt sind und es Unklarheiten bei der Vorgehensweise gibt, wird eine Fallkonferenz einberufen, eine weitere Besonderheit von CareNet+. Neben dem Patienten oder der Patientin sowie der zuständigen Krankenkasse werden Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Fachdisziplinen eingeladen, die den Fall kennen und mit ihrem Detailwissen etwas zur Lösung beitragen können.

Je nach Ausgangslage können auch Angehörige dabei sein. Ziel ist es immer, ein alle Aspekte berücksichtigendes Verständnis zu erreichen und gemeinsam einen Handlungsplan zu erarbeiten, der von allen Beteiligten mitgetragen und umgesetzt wird. Wir haben bereits mehrere solcher Fallkonferenzen durchgeführt. Die Resultate waren immer positiv. Fallkonferenzen sind ein hilfreiches, allerdings auch zeitaufwändiges Instrument. Bei einem Dutzend Personen im Vorfeld Auskünfte zu beschaffen und alle auf einen bestimmten Termin an einen Tisch zu bringen, ist organisatorisch anspruchsvoll.

Fundierte Evaluation

Für die Evaluation des Projektes arbeiten wir mit Infras AG und Careum Forschung zusammen. Die Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige werden zu verschiedenen Zeitpunkten im Koordinationsprozess befragt, wie sie die Wirkung der erbrachten Leistungen von CareNet+ einschätzen. Ergänzend werden mit den beteiligten Fachpersonen Fokusgruppen-Gespräche geführt. Um differenzierte Aussagen machen zu können, planen wir, in der Pilotphase mindestens 50 Fälle zu bearbeiten.

Ein Zwischenbericht im Frühling 2017 soll erste qualitative und ökonomische Ergebnisse der integrativen Fallführung liefern. Wenn der im Sommer 2018 fällige Schlussbericht von Infras eine positive Wirkung von CareNet+ aufzeigt und die Partner das Projekt weiterhin unterstützen, steht der Überführung in einen Regelbetrieb im Knonaueramt nichts mehr im Weg. Eine Ausweitung in weitere Regionen wäre dann ebenfalls möglich.

Weitere Informationen: www.carenetplus.ch




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