Interprofessionalität: Eine «Charta» als Katalysator

Dr. med. Hermann Amstad, Generalsekretär SAMW


In der Gesundheitsversorgung mit ihren zunehmend komplexen Behandlungen wird die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen immer mehr zum Erfolgsfaktor. 2014 hat die SAMW eine «Charta» veröffentlicht, die diese Entwicklung stimulieren soll.


Dr. med. Hermann Amstad
Eine «Charta» als Katalysator

Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) setzt sich seit 1999 unter dem Titel «Zukunft Medizin Schweiz» intensiv mit den Zielen und Aufgaben der Medizin auseinander. Im Rahmen dieses Projektes veröffentlichte sie 2011 den Bericht «Zukünftige Berufsbilder von Ärzten/-innen und Pflegenden in der ambulanten und klinischen Praxis». Demnach wird die Arbeit im Team angesichts der zunehmend anspruchsvollen Behandlungen und des Mangels an Gesundheitsfachleuten zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Aufgabenverteilung im Gesundheitssystem wird sich immer weniger an hierarchischen oder mit einem formellen Titel verbundenen Kriterien orientieren, sondern an den benötigten Kompetenzen.

Eine der Empfehlungen dieses Berichts betraf die Ausarbeitung einer «Charta» zur Zusammenarbeit der Gesundheitsfachleute. Expertengespräche bestätigten, dass eine solche Charta als Katalysator wirken könnte, indem sie zu Diskussionen anregt, ein gemeinsames Verständnis von Interprofessionalität schafft und im Idealfall Projekte anstösst. Zudem könnte sie die zahlreichen Initiativen im Gesundheitswesen unterstützen, die auf eine Zusammenarbeit der Gesundheitsfachleute angewiesen sind (u.a. Strategie Palliative Care, Strategie Demenz, Strategie gegen Krebs).

In der Kürze liegt die Würze

Eine Arbeitsgruppe unter Leitung von Dr. Werner Bauer setzte sich ab April 2013 in mehreren Sitzungen vertieft mit der Thematik auseinander und legte im Frühjahr 2014 einen ersten Entwurf vor. Die Arbeitsgruppe umfasste 14 Mitglieder; 6 davon hatten einen ärztlichen Hintergrund, die übrigen kamen aus anderen Gesundheitsberufen (u.a. Pharmazie, Pflege, Physiotherapie, Psychologie). Die AG-Mitglieder vertraten explizit nicht Berufsverbände, sondern waren angehalten, ihre persönliche Expertise und Erfahrung in die Diskussionen einzubringen.

Der Entwurf der Charta wurde einer breiten Vernehmlassung unterzogen. Die Mehrheit der Stellungnahmen begrüsste zwar die Ausarbeitung einer Charta, doch war einerseits in Ärztekreisen eine grössere Skepsis spürbar und wünschten andererseits zahlreiche Verbände, dass sie stärker in den Ausarbeitungsprozess eingebunden würden. Vor diesem Hintergrund führte die Arbeitsgruppe im August 2014 in Bern eine Tagung durch, in der die Anliegen der Stakeholder gesammelt und gebündelt wurden. Daraus entstand schliesslich eine finalisierte Fassung, welche der SAMW-Vorstand im November 2014 definitiv verabschiedete.

Die Charta ist ein kurzes Dokument; sie umfasst nur sechs Seiten. Einleitend nennt sie einige «Prinzipien»: Alle Leistungen der Gesundheitsversorgung – in deren Zentrum der Patient steht – sind aufeinander abzustimmen; die Verantwortung wird entsprechend den fachlichen Kompetenzen wahrgenommen; die gegenseitige Information ist jederzeit gewährleistet; die Arbeit basiert auf gegenseitigem Respekt und gemeinsam definierten, anerkannten Standards.

Viele Ärzte tun sich nach wie vor schwer

Anschliessend listet die Charta acht «Kernelemente und Verpflichtungen» auf; diese reichen von der Einbindung der Patienten als Partner über die Klärung der Kompetenzen und Verantwortlichkeiten in konkreten Arbeitssituationen bis zu gemeinsamen Modulen für die Aus- und Weiterbildung und zur Orientierung der Leitungsstrukturen an inhaltlichen Zielen (d.h. nicht an Statusüberlegungen). In einem weiteren Kapitel werden schliesslich geeignete Umsetzungsmassnahmen genannt.

Mit der Charta richtet sich die SAMW primär an die in der Gesundheitsversorgung aktiven Fachleute, Berufsverbände und Institutionen; seit ihrer Veröffentlichung wurde sie in grosser Zahl bei der SAMW bestellt und von der Website herunter geladen. Die Ärzteschaft tut sich allerdings immer noch schwer mit dem Dokument. Hinweise dafür sind Rückmeldungen zur Charta, die von Desinteresse («Interprofessionalität ist für uns kein Thema») bis zu glühender Ablehnung gehen («Die SAMW als Erfüllungsgehilfin des BAG»). Zudem ist aufgrund der Anmeldungen zu erwarten, dass die Ärzteschaft bei den Tagungen der SAMW zur Interprofessionalität im April und Juni 2016 nur eine Minderheit darstellen wird.

Die Charta ist nicht für die Ewigkeit geschrieben; sie kann und wird sich entwickeln und verändern. Gelegenheit dazu besteht erstmals am 8. Dezember 2016, wenn in Bern eine weitere Tagung zur Interprofessionalität stattfindet. Die SAMW will zwei Jahre nach deren Veröffentlichung überprüfen, was die Charta bewirkt hat und ob bzw. wie sie allenfalls anzupassen ist. Die Charta soll auch in Zukunft die Rolle eines Katalysators spielen.

Der Link zur SAMW-Charta «Zusammenarbeit der Fachleute im Gesundheitswesen»




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