Über die Kantonsgrenzen denken und handeln

Dr. Jürg Sommer, Leiter Amt für Gesundheit, Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft; Dorothee Frei, lic. iur, Generalsekretärin, Gesundheitsdepartement Basel-Stadt


Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind, vor allem für kleine Kantone, kaum alleine lösbar. Mit einem gemeinsamen Projekt und mit Einbezug aller Akteure gehen Basel-Stadt und Basel-Landschaft einen neuen Weg.


Dr. Jürg Sommer und Dorothee Frei

Die Herausforderungen im Gesundheitswesen sind vielschichtig. Die Finanzierbarkeit des Systems stösst unter anderem wegen der demografischen Entwicklung und des technischen Fortschritts an seine Grenzen. Diese Situation haben die Regierungen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft zum Anlass genommen, eine vertiefte Kooperation als Lösungsansatz zu prüfen, da eine grössere Versorgungsregion mehr Möglichkeiten bietet, Kompetenzen und Investitionen zu bündeln, Vorhalteleistungen zu reduzieren, Behandlungsabläufe über Kantonsgrenzen zu optimieren und dadurch die Qualität zu steigern.

Dabei verfolgen die beiden Regierungen folgende übergeordnete Ziele:

  • eine optimierte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den beiden Kantonen;
  • eine deutliche Dämpfung des Kostenwachstums im Spitalbereich sowie
  • eine langfristige Sicherung der Hochschulmedizin in der Region. 

Gerade der Versorgungsraum Nordwestschweiz ist für eine engere Zusammenarbeit prädestiniert, da die Patientenströme – der zunehmend mobilen Gesellschaft – nicht vor den Kantonsgrenzen Halt machen. Die Analysen der beiden Gesundheitsdirektionen BS und BL haben zudem ergeben, dass die Zusammenarbeit der Spitäler mit vor- und nachgelagerten Leistungserbringern sowie die Verlagerung von stationären zu ambulanten Leistungen Verbesserungspotential hat. Neue Betriebsmodelle und innovative Ansätze zur Leistungserbringung sollen ermöglicht werden.

Klare Visionen

Unter Federführung des Bereichs Gesundheitsversorgung Basel-Stadt und des Amtes für Gesundheit Basel-Landschaft werden in den Bereichen «Versorgung» sowie «Regulation und Aufsicht» Fragen zur Gesundheitsversorgung in der Region sowie zu den Möglichkeiten der beiden Kantone, diese zu gestalten, gemeinsam analysiert.

Dabei sollen alle angebots- und nachfrageseitigen Fragen beleuchtet werden, beispielsweise zu den Leistungen der Spitäler und der Qualität der Leistungserbringung oder nach den Patientenströmen und der kantonalen Spitalliste. Darüber hinaus wird zu klären sein, ob auch kantonale Rechtsgrundlagen anzupassen sind, um allfällige Veränderungen umsetzen zu können. Auf nationaler Ebene ist aufzuzeigen, wie spitalstationäre und spitalambulante Leistungen künftig finanziert werden können, um falsche Anreize zu vermeiden und dennoch die Kostenneutralität zu wahren, und wie eine effektive Steuerung des ambulanten Bereichs durch die Kantone ermöglicht werden kann.

Ausgehend von den Erkenntnissen der ersten Projektphase, bilden folgende Visionen die Triebfedern für die Arbeiten auf den Ebenen «Versorgung» sowie «Regulation und Aufsicht»:

  1. Wir sehen die Region als einen gemeinsamen und integralen Gesundheitsversorgungsraum.
  2. Wir verfolgen für die Bevölkerung die Prinzipien einer adäquaten, qualitativ hochstehenden, gut erreichbaren und bezahlbaren Gesundheitsversorgung.
  3. Wir wollen neben einer starken und kostengünstigen Grundversorgung und einer bedarfsgerechten Zentrumsversorgung auch eine Spitzenrolle in der hochspezialisierten Medizin und in der universitären Lehre und Forschung einnehmen.
  4. Wir handeln gemeinsam, respektieren dabei die Rolle der öffentlichen wie auch der privaten Anbieter und beeinflussen den Gesundheitsversorgungsraum, wo dies zur Erreichung der übergeordneten Ziele nötig ist.

In der aktuellen Projektphase haben bereits breit gefächerte Arbeiten begonnen. Dazu gehören weitere Analysen von ambulanten und stationären Angeboten bis hin zu spezifischen Bedarfsanalysen im integralen Versorgungsraum unter Einbezug der niedergelassenen Ärzte und nachgelagerter Institutionen wie der Spitex. Daraus sollen Organisationsmodelle für den regionalen Versorgungsraum abgeleitet werden.

Einbezug der Patientinnen und Patienten

In die Projektarbeiten spielt auch die Weiterentwicklung der Idee eines Gesundheitsnetzwerks Laufental hinein. Der Grundgedanke dieses Netzwerks, dem sämtliche medizinischen Leistungserbringer beitreten können, ist ein administratives Zusammenrücken der verschiedenen Anbieter zum Wohle der Patientinnen und Patienten. Dadurch sollen Schnittstellen optimiert und die Möglichkeit der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen geschaffen werden.

Ein erster Workshop hat am 8. Juni 2015 stattgefunden. Weitere Gespräche mit Meinungsträgern im Laufental haben ergeben, dass das Netzwerk mehrheitsfähig ist, wenn unter anderem die Rolle des Spitals und der Mehrwert für die Bevölkerung definiert sowie bestehende Kontakte über die Kantonsgrenzen hinweg respektiert werden.

Ausschlaggebende Faktoren für das Gelingen der beschriebenen Projekte sind eine fundierte Analyse und breit abgestützte Diskussion mit allen Involvierten, insbesondere den Patientinnen und Patienten in unserer Region. Mehr dazu ist auf der Website www.chance-gesundheit.ch zu erfahren.




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