Patientenidentifikation: Ist Sepp B. gleich Josef B.?

Interview

Peter Cuipers, Alliance Executive Healthcare Industry Europe bei IBM


So klar die Anforderung ist, so schwierig ist sie im Alltag umzusetzen: Erst wenn ein Patient zweifelsfrei identifiziert ist, darf medizinisch interveniert werden – ein Gespräch mit Peter Cuipers, Alliance Executive Healthcare Industry Europe bei IBM.


Herr Cuipers, was heisst eineindeutige Patientenidentifikation?

Eine eineindeutige Identifikation bezeichnet das Verhältnis zwischen Identität und Person, das heisst die Person ist eindeutig identifiziert und keine andere Person hat diese Identität. In der Medizin ist dies eine Grundvoraussetzung für eine korrekte Diagnose, Behandlung oder Medikation.  Im Alltag werden in verschiedenen Institutionen wie Arztpraxen, Apotheken oder Spitälern – aber auch in verschiedenen Abteilungen oder Kliniken des gleichen Krankenhauses – personenbezogene Daten erfasst. Und zwar in unterschiedlichen Systemen, weshalb nicht immer auf Anhieb ersichtlich ist, ob es sich um den gleichen Patienten handelt. Um über Systemgrenzen hinweg eine möglichst präzise Identifikation zu erhalten, sollte man über möglichst viele und unterschiedliche Informationen wie Namen, Adresse oder Geburtsdatum verfügen. Durch ausgeklügelte Matching-Algorithmen werden diese Informationen virtuell zu einem Patienten zusammengefügt und mit seinem eindeutigen Identifikator versehen – so entsteht der Master Patient Index (MPI).

Was macht es so schwierig, einen Menschen über sein ganzes Leben hinweg eineindeutig zu identifizieren?

Da sind zum einen die unterschiedlichen Erfassungssysteme; zum anderen können «normale» Vorkommnisse im Leben eines Menschen die Identifikation erschweren. Der Klassiker dabei ist die Namensänderung durch Heirat. Ebenso können Vornamen unterschiedlich erfasst sein: Doppelnamen, Diminutive oder die Verwendung von Spitznamen. Auch mehrere Wohnorte, zum Beispiel bei Wochenaufenthaltern, führen oft zu Unsicherheiten oder ganz einfach die fehlerhafte Erfassung von Daten, was oft beim Geburtsdatum durch eine Verdrehung von Zahlen passiert. Trotzdem muss ein MPI in der Lage sein, auch solche Patienten eineindeutig zu identifizieren, namentlich wenn sie über lange Zeit in Behandlung (chronisch Kranke) oder unter Beobachtung sind (genetisch bedingte Erkrankungen).

Ist der Patient mal eineindeutig identifiziert, kommt eine riesige Menge an Daten zusammen. Diese gehören im Prinzip dem Patienten. Wer kann und soll ihn im Umgang mit seinen Daten unterstützen?

Als erstes müssen die Menschen oder Patienten erkennen, welchen Wert diese Informationen für sie selbst haben, aber auch für die Gesellschaft und die Wissenschaft. Dieser Bewusstwerdungsprozess ist eine Grundvoraussetzung, um sich eigenverantwortlich und selbstbestimmt in der Informationsgesellschaft bewegen zu können. Die Fähigkeiten dafür können – in der Schweiz – das Bundesamt für Gesundheit oder die kantonalen Gesundheitsdepartemente vermitteln. Stichworte dazu sind Privacy, Sicherheit oder Secondary Use. Eine Schlüsselrolle spielen auch die Behandelnden wie Ärzte, Pflegepersonal oder Apotheker: Zum einen sammeln sie Daten, zum anderen sind sie Vertrauenspersonen, welche die Patienten oder Kunden bei der Nutzung und Interpretation dieser Daten anleiten und unterstützen können – vorausgesetzt, sie sind genügend ausgebildet dafür.

Noch zeigen Menschen und Patienten in der Schweiz wenig Interesse, sich mit ihren Gesundheits- und Krankheitsdaten zu beschäftigen. Wie lässt sich das ändern?

Auch hier spielen die Behandelnden eine zentrale Rolle. Ein Beispiel: Wenn mein Hausarzt den direkten Nutzen einer elektronischen Patientenakte sichtbar machen kann, indem er mir bei jeder Gelegenheit Vergleichsdaten oder Fortschritte aufzeigt, dann wird mich das motivieren, Daten zu sammeln und zu «lesen». Letztlich geht es also darum, die Betroffenen zu Beteiligten zu machen. Indem man sie zum Beispiel in den Datenerfassungsprozess involviert – wie das bei chronisch kranken Patienten oft schon geschieht.

Ein zentrales Problem der ICT im Gesundheitswesen ist das Fehlen von Standards für den Datenaustausch. Was hindert die ICT-Industrie daran, sich auf solche Standards zu einigen?
Da muss ich wiedersprechen: Es ist definitiv nicht so, dass es an Standards fehlt. IBM und vieleandere Anbieter engagieren sich aktiv bei der Definition und der Weiterentwicklung von Standards im Gesundheitswesen. Ein gutes Beispiel dafür sind die jährlich stattfindenden IHE Connectathons, wo die Implementierung und Einhaltung der Datenaustausch-Standards sowiedie Interoperabilität der verschiedenen Systeme überprüft werden. Selbstverständlich gibt es immer noch Hersteller, die auf proprietäre Schnittstellen setzen. Und es gibt (zu) viele Nutzer und Kunden, die auf solche Angebote einsteigen – zum einen aus mangelndem Bewusstsein, zum anderen weil die Lösung auf den ersten Blick kostengünstig erscheint. Tatsächlich sollten Ausschreibungen stärker auf anerkannte Standards wert legen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Ausschreiber wie Behörden oder Institutionen die nötigen Best-Practice- Kenntnisse haben.




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